WIR LADEN SIE SEHR HERZLICH EIN ZUR ERÖFFNUNG UNSERER AUSSTELLUNG
WERNER KLEMKE ZUM 100. GEBURTSTAG: FÜNF SEINER SCHÜLER/INNEN
WOLFGANG WÜRFEL INGE JASTRAM HANS-JOACHIM BEHRENDT DIETRICH LUSICI DAGMAR ZEMKE

AM DIENSTAG, DEN 15. AUGUST UM 19.30 UHR. ZUR ERÖFFNUNG HÄLT MATTHIAS HABERZETTL, AUGSBURG, EINEN VORTRAG ÜBER WERNER KLEMKES LEBEN UND WERK. DAGMAR ZEMKE WIRD PERSÖNLICH ANWESEND SEIN

15.8. BIS 23.9.2017 IN DER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE FRANKFURT AM MAIN, AN DER STAUFENMAUER 9, MO - SA 10.00 BIS 19.00 UHR

Werner wer? mag sich mancher Westdeutsche jetzt vielleicht fragen. Aber ich bin mir sicher, auch Sie haben eine Buchillustration dieses bedeutendsten Buchkünstlers der DDR (neben Hans Ticha) im Schrank, z.B. die klassische Ausgabe von Grimms Märchen. Insgesamt 835 Bücher hat der Künstler gestaltet!

Klemke war aber zudem ein stiller Held, der als Wehrmachtsgefreiter im von Nazideutschland besetzten Holland mehr als 300 jüdischen Holländern durch das Fälschen von Lebensmittelkarten, „Arier-Nachweisen“ und ganzen Pässen das Leben rettete – seine Fertigkeit im Holzschnitt erwies sich als sehr nützlich, wenn es um das Herstellen falscher Stempel ging.

Das Erstaunliche: Klemke hat über diese mutigen Handlungen, bei denen er sein Leben für andere riskierte, selbst nie gesprochen. Erst lange nach seinem Tod, im Jahr 2011, stieß die niederländische Regisseurin Annet Betsalel in der Synagoge von Bussum in alten Dokumenten auf Klemkes Namen und begann mit den Recherchen, aus denen 2015 der Film „Treffpunkt Erasmus – die Kriegsjahre von Werner Klemke“ entstand. Erasmus, das war der Kontaktort zwischen Klemke und den zu Rettenden, und das war natürlich – ein Antiquariat!

Um das unübersehbar große Lebenswerk Klemkes auch nur im Ansatz zu würdigen, fehlt hier der Raum, und dafür haben wir den wohl weltweit besten Klemke-Kenner und großen Klemke-Sammler Matthias Haberzettl für einen Vortrag am Dienstag, 15. August um 19.30 Uhr gewinnen können.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

WOLFGANG WÜRFEL

STUDIERTE BEI WERNER KLEMKE

Wolfgang Würfel wurde 1932 in Leipzig-Connewitz geboren. Direkt im Anschluss an eine Malerlehre wurde er zwar an der Kunsthochschule Dresden (heute Hochschule für Bildende Künste Dresden) angenommen, hatte aber kein Geld zum Studieren. So arbeitete er erst einmal für die Deutsche Werbe- und Anzeigenge-sellschaft und finanzierte sich so 1950 bis 1955 das Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Werner Klemke war zu dieser Zeit dort Dozent, dessen Vorlesungen über Holzstich Würfel regelmäßig als Gast hörte. Irgendwann drückte ihm Klemke ein Stück Hirnholz in die Hand – so leicht waren diese Hölzer nicht aufzutreiben –, und damit begann die lebenslange Auseinandersetzung Würfels mit dem harten Brett.

1958 erschien sein erstes, mit 17 Holzstichen illustriertes Buch: Gottfried August Bürgers „Wunderbare Reisen des Freyherrn von Münchhausen“ im Aufbau-Verlag. Insgesamt illustrierte er über 150 Bücher. Würfel erhielt diverse Auszeichnungen, unter anderem 1959 die Bronzemedaille für Illustration in Wien, 1971 die Goldmedaille für Illustration (Internat. Buchkunstausstellung, Leipzig) zwischen 1962 und 1983 wurden zehn von ihm illustrierte Bücher von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

INGE JASTRAM

STUDIERTE BEI WERNBER KLEMKE

Inge Jastrams Mutter fielen die gelungenen Zeichnungen ihrer eine Schneiderinnenlehre absolvierenden Tochter auf, und sie fragte en befreundeten Künstler Bernd Grothe: „Ist das was?“ Der fand, das war was, und gab dem jungen Mädchen Unterricht. Als nach einer „Laienkunst-Ausstellung“ über Jastrams Arbeiten in der Zeitung stand, dass man solchen Nachwuchs auch den Kunstakademien wünsche, nahm Mentor Grothe dies wörtlich und bewegte die widerstrebende Schneidergesellin, sich an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zu bewerben – mit Erfolg! Und das bei nur ca. fünf zum Studium Zugelassenen pro Semester!

Von ihrem Lehrer Klemke, bei dem sie von 1952 bis 1957 studierte, sagt sie, dass sie ihn regelrecht geliebt habe. Auch sie musste natürlich durch die harte Holzstichausbildung, hat sich aber im Lauf ihres Künstlerinnenlebens zu einer herausragenden Radiererin entwickelt, mit unverwechselbarem Stil, markanten Porträts, brisanten Themen wie Kinderprostitution und poetisch aquarellierten Einblicken in den Alltag von Weiblichkeit.

ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

HANS JOACHIM BEHRENDT

STUDIERTE BEI WERNER KLEMKE

Hans-Joachim Behrendt wurde 1937 in Magdeburg geboren. Ihm war sein zeichnerisches Talent zunächst kein Segen: Als 11-Jähriger wurden seine Arbeiten für eine Schulausstellung als „zu wenig kindlich“ aussortiert, ein auch von dieser Mutter um ein Urteil bemühter „anerkannter“ Künstler beruhigte sie, das außergewöhnliche Zeichentalent ihres Sohnes solle sie nicht so ernst nehmen, das „verwachse“ sich wieder.

Das sah der Aufnahmeausschuss der nachmaligen Kunsthochschule Berlin-Weißensee ganz anders, und so konnte Behrendt dort von 1955 bis 1960 Grafik studieren, u.a. bei Werner Klemke und Arno Mohr. Behrendt hatte zunächst das Pech, dass die DDR während seines Studiums einen Hang zur Werbung und ästhetischer Produktgestaltung entwickelte und Behrendt seiner Neigung zur Buchillustration erst einmal nicht nachgehen konnte. Auch ihn verwies Klemke auf die Holzstichtechnik, die ihm bis heute vor allem für die Erstellung von Exlibris Basis seines Lebensunterhalts ist. Klemke sorgte mit seinen guten Kontakten zu Verlagen dafür, dass Behrendt bald nach dem Studium Illustrationsaufträge erhielt. Zusammen mit Klemke wurde er 1971 von der UNESCO in Wien für „Hervorragende Schulbuchgestaltung“ ausgezeichnet. Zahlreiche von ihm illustrierte Bücher wurden von der Stiftung Buchkunst prämiiert.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

DIETRICH LUSICI

STUDIERTE BEI WERNER KLEMKE

Als Kriegs-Halbwaise, der seinen Vater nie kennenlernte, musste er sich zunächst nach der Decke strecken und absolvierte Lehren als Dekorationsmaler sowie als Plakat- und Schriftenmaler, Ausbildungen, die dem schon 1974 mit einer Goldmedaille beim UNESCO-Plakatwettbewerb „Wasser ist Leben“ in Warschau Ausgezeichneten später zupasskommen sollten. Von 1963 bis 1967 schloss er ein externes Studium der Malerei und Grafik bei Bruno Konrad in Dresden und Cottbus an, dann ein Grafikdesignstudium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin. Immer aber musste er neben dem Studium seinen Lebensunterhalt erarbeiten und sehnte sich nach der Möglichkeit, sich frei von wirtschaftlichen Sorgen malerisch ausprobieren zu können. Deswegen bewarb er sich ohne Protektion und Kontakte bei der Akademie der Künste Berlin um eine mit einem Stipendium verbundene Meister-schülerstelle.

Zu seiner eigenen Überraschung wurde er angenommen, stolperte aber fast noch über die Klippe, dass er keinen Meister für sich zu nennen wusste. Der schweigsam der Aufnahmeprüfung beiwohnende Klemke gab mehr oder weniger körpersprachlich zu verstehen, dass er Lusici an-nehmen würde. Daraus entwickelte sich dann 1977 bis 1979 mehr eine Männerfreundschaft als ein Lehrverhältnis, verabredungsgemäß traf man sich bei Klemke zu Kognak oder bei Lusici zu Rotwein zu Gesprächen über Kunst.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

DAGMAR ZEMKE

STUDIERTE BEI WERNER KLEMKE

Dagmar Zemke ist das Nesthäkchen unter den Klemkeschülern, tatsächlich war sie 1982 eine seiner letzten Studentinnen, bevor er emeritiert und sie wegen des Ausreiseantrags aus der DDR, den ihr Vater gestellt hatte, von der Hochschule (offiziell natürlich wegen Unfähigkeit) relegiert wurde. Die 1958 in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) geborene Künstlerin studierte von 1978 bis 1982 an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, unter anderem bei Werner Klemke und Volker Pfüller. Nach ihrer Ausreise in die BRD zog die Künstlerin drei Kinder groß, kehrte aber 2003 als freischaffende Künstlerin nach Chemnitz zurück.
In ihren Holzschnitten hat sich Dagmar Zemke ins Gegenteil der Klemkeschen Lehre im immer kleinformatigen Holzstich entwickelt: Ihre Formate werden immer größer, in der Technik der verlorenen Form schafft sie vielfarbige Frauenfiguren, teilweise androgyn verrätselt, für die sie gern auf morgenländische Mythen zurückgreift. Und auch ihre Buchillustrationen haben in jeder Hinsicht Format: Es sind von ihr komplett durchgestaltete Künstlerbücher, in kleinster Auflage von Hand erstellt.

ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

DER RIXDORFER ARNO WALDSCHMIDT IST TOT

EINE ÄRA DER WESTBERLINER KUNST GEHT ZU ENDE

Die 1960er und 1970er-Jahre waren in Westberlin eine Blütezeit für eine Melange aus Holzschnitt, Bier, Anarchie, Buchgrafik, Sex, anzügliche Lyrik, Druck, Trödel und Aktion. V.O. Stomps war 1967 nach Westberlin zurückgekehrt, leider nur noch drei Lebensjahre waren ihm und seiner Neuen Rabenpresse vergönnt. Auch der spirituelle Kopf dieser politischen und poetischen Holzschnitt-Massenbewegung, der Dichter und Grafiker Günther Bruno Fuchs, wurde nicht alt, 1977 starb der nur knapp 49 Jahre alte Gründungsanreger und spritus rector der Werkstatt Rixdorfer Drucke, so nannte sich das Künstler-kollektiv, dem neben Fuchs (bis 1969) Uwe Bremer, Albert Schindehütte, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt angehörten, die ab 1963 neben den individuellen Arbeiten zahlreiche gemeinsame Publikationen erstellten. 1966 schrieb der „Spiegel“, die Rixdorfer seien „Lokal-Genies“, die allerdings „lieber schlucken als drucken“.

Am 2. März dieses Jahres ist Arno Waldschmidt, der 1936 in Kassel geboren wurde und nach einer Schaufenstergestalter-lehre bei Karstadt an der Kasseler Werkkunstschule studierte, im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Sein letztes origi-nalgrafisches Buch „Behauptungen“ erschien 2008 bei der Büchergilde – und Hugo Hoffmans Atelier Handpresse, s. u.

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HUGO HOFFMANN HAT DIE ATELIER-HANDPRESSE GESCHLOSSEN

EINE ÄRA DER WESTBERLINER KUNST GEHT ZU ENDE

Hugo Hoffmann wurde 1947 in Berlin geboren. Schon im Internat Insel Scharfenberg leitete er die Internats-druckerei. Das 1968 begonnene Studium der Politologie und Publizistik gab er schnell auf – zugunsten einer Stelle als Mädchen für alles beim Kreuzberger Leierkastenmann, Trödelhändler und Kunstakademieabsolventen Kurt Mühlenhaupt, dem er als Drucker, Setzer, Lektor und Adlatus diente. 1972 gründete er seine eigene Edition „Atelier-Handpresse“, die zu einer Kreuzberger Institution wurde. Unzählige originalgrafische Bücher und Holzschnitte hat Hoffmann gedruckt, vor allem lebenslang für Mühlenhaupt, aber auch zahlreiche andere Künstler, so eben auch Arno Waldschmidts letztes Buch. Nun hat Hoffmann seine Druckpressen ins Museum gebracht und die Werkstatt ausgekehrt. Es bleiben – die von ihm verlegten und gedruckten Bücher.

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2018 WINKT SCHON: DER TABOR KALENDER!

Dies ist die wohl luxuriöseste Art, einem Jahr beim Vergehen zuzusehen: mit dem Orig.-Grafik-Kalender, den die Tabor Presse Berlin und der Büchergilde artclub zusammen herausgeben Es ist fast ein Wunder, dass es jedes Jahr wieder gelingt, zwölf auf so hohem Niveau arbeitende Künstler/inne/n für den Kalender zu gewinnen, schließlich kostet jedes einzelne Original umgerechnet kaum mehr als 35 Euro.

2018 sind dabei:
Hans Ticha, Franziska Neubert, Johannes Heisig, Gabriela Jolowicz, Thomas Hornemann, Gerd Rohling, Monika Michalko, Christian Awe, Fritz Bornstück, Julio Rölle, Daniel M. Thurau und Jan Brokof.

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BONUSGRAFIK ZUM TABOR-KALENDER 2018:
JIM AVIGNON

Es gibt wieder für alle Kalenderkäufer, die auch den Tabor Kalender 2017 bei uns erworben haben oder zwei Exemplare des diesjährigen Kalenders kaufen, die Möglichkeit eines „Bonuskaufes“: Eine Orig.-Farblithografie von Jim Avignon zum Vorzugspreis von EUR 175.- statt EUR 300.-,

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