AUSSTELLUNG:
SVATO ZAPLETAL
V.O. STOMPS-PREISTRÄGER 2017

27.6. BIS 3.8.2017 IN DER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE FRANKFURT AM MAIN, AN DER STAUFENMAUER 9

1946 in Prag geboren, legte Zapletal 1964 das Fachabitur ab, um dann als Maschinenbautechniker, Beifahrer und beim Zirkus zu arbeiten. Seine Flexibilität kam ihm nach seiner Übersiedlung in die BRD 1969 sehr zupass, und sie zeichnet auch sein buchkünstlerisches Werk aus: Im Studium belegte er nicht nur die Kurse in freier Malerei bei dem Bauhaus-Schüler Hans Thiemann, sondern auch Typografie und Schriftgrafik bei Gerhard Rühm und Werner Bunz. So verschieden seine Lehrer waren, so variantenreich sind nun seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten als Büchermacher und freischaffender Künstler.

Während sein Studium erst 1977 endete, erschien bereits 1975 sein erstes originalgrafisches Buch, ein Jahr später, noch als Student, gab er seiner künstlerischen Zukunft die organisatorische Form des Svato Verlags.

Svato gestaltet seine Bücher von A bis Z selbst: Angefangen von der Auswahl der Texte, schafft er, meist in der Technik des Original-Farblinolschnittes und von 6 oder 7 Platten gedruckt, auch die Illustrationen. Die typografische Gestaltung im Bleisatz übernimmt er ebenso (das Setzen selbst nicht unbedingt) wie den Druck der Grafiken von Hand auf einer Andruckpresse. Es entstehen Bücher von klassischer Schönheit und Lesehunger erzeugender Bildpracht.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

IM KABINETT:
ALFRED POHL – FARBRADIERUNG (FAST) PUR

Alfred Pohl ist einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Druckgrafik. Nächstes Jahr wird er 90, und seinem persönlichen Wunsch folgend, zeigen wir vorab zu den erwartenden Großehrungen eine kleine Ausstellung, die sich ganz auf sein radiertes Werk konzentriert. „Fast pur“ heißt es, weil wir erstmals auch handaquarellierte Radierungen des Künstlers zeigen. Geehrt wird damit auch sein langjähriger, leider bereits verstorbener Drucker Gert Schegulla, mit dem ihn eine fast symbiotische druck-grafische Beziehung verband.

Pohl, 1928 in Essen geboren, studierte 1947 bis 1948 an der Werkkunstschule Trier und noch einmal 1960 bis 61 an der Werkkunstschule Hannover. Von 1963 bis 1967 war er Assistent für Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule Göttingen. 1965 arbeitete er im Atelier von Johnny Friedlaender in Paris, von 1967 bis 1970 als Lehrer am Collegio Peruano-Aleman Alexander von Humboldt in Peru, 1972 bis 1974 in Kolumbien. Seit 1974 ist er wieder in Göttingen ansässig.

Die Liste seiner Ausstellung ist Legion, erwähnt werden sollen hier nur die Ausstellungen im Museum of Fine Arts in Florida (1980), im Museu National des Belas Artes Rio de Janeiro (1990) im Städtischen Museum Göttingen (1996) und im Rheinischen Landesmuseum Bonn (2008).

Arbeiten des Künstlers erwarben u.a. das Museum of Modern Art New York, der Deutsche Bundestag und die Grafische Sammlung der Princeton University Library

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

V.O. STOMPS-FÖRDERPREIS 2017 FÜR DAS KOLLEKTIV TOD!

Um die Arbeit von Kleinverlagen zu würdigen, vergibt die Stadt Mainz seit 1979 den V.O. Stomps-Preis, benannt nach dem legendären Gründer der Eremitenpresse, Victor Otto Stomps (1897 – 1970). Zusätzlich gibt es seit 2009 einen V.O. Stomps-Förderpreis. Dieser ist mit 1.500 Euro dotiert und wird für 2017 den beiden Betreibern des Berliner Kollektiv Tod-Verlages, Gisa Schraml und Frédéric Guille, zuerkannt.

Das freut uns besonders für diese beiden jungen Künstler, deren Werk wir vor zwei Jahren hier in einer Ausstellung vorgestellt haben (siehe 197. Frankfurter Grafikbrief). Im Büchergilde artclub sind sie mit einem voluminösen Pressendruck (s.u.) vertreten, ein gutes Beispiel dafür, dass Jugend und ausgefeilte Fähigkeit zur Druckgrafik gut miteinander vereinbar sind: In 14 vielfarbigen Holzschnitten haben die Schraml und Guille sich die Illustrierten-Celebrities aus Adel und Klatschspalte vorgenommen. Ihre entlarvende Übersetzung der ikonografisch hochjubeln-den Magazin-Fotografie in den Farbholzschnitt lässt die Wirklichkeit aus verzerrten Masken und tiefgefrorener Heiterkeit der Herrschaften sichtbar werden…

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JOHANNES GRÜTZKE 1937 BIS 2017

Am 17. Mai ist Johannes Grützke im Alter von knapp 80 Jahren nach langer Krebserkrankung gestorben. Ein ausführlicher Nachruf auf diesen Ausnahmekünstlers, der auch auf den artclub-Seiten des soeben erschienenen Mitglieder-Magazins der Büchergilde publiziert ist, lesen Sie nach Klicken auf das Bild. Zusätzlich folgen dort einige persönliche Anmerkungen

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A.R. PENCK 1939 BIS 2017

Der Künstler, der unter dem bürgerlichen Namen Ralf Winkler in Dresden geboren wurde, tanzte schon als Jugendlicher aus der Reihe, brach Schule und Lehren ab, nur im Zeichnen bewies er ungebrochene Kontinuität. Der in der DDR ausgesprochen streng reglementierte Zugang zum Kunststudium wurde ihm in vier Anläufen verweigert, dass er trotzdem als Künstler arbeitete, war nicht vorgesehen und brachte ihm Ärger mit der Staatsmacht. Für solche Künstler wiederum interessierte sich „der Westen“ sehr. Schon 1972 waren unter dem Namen des Eiszeit-forschers Penck, dem er sich wesensverwandt fühlte, aus der DDR herausgeschmuggelte Werke Winklers auf der Documenta in Kassel zu sehen, unter der Rubrik „Individuelle Mythologien“, während er selbst erst 1980 die Grenze passierte – als ihn die DDR ausbürgerte. Damals war er 40 Jahre alt.

Promotet durch den Kölner Galeristen Wolfgang Werner begann einerseits seine an archaische Menschendarstellungen anknüpfende Malerei einen weltweiten Siegeszug durch Galerien, Kunstmessen und Museen, andererseits blieb Penck der dem ganzen Rummel distanziert gegen-überstehende Individualist, den man nach 1989 in Dresden als bescheidenen In-der-Ecke-Sitzer bei Künstler-festen und Kleinvernissagen treffen konnte, oder zusammen mit dem Autor, Verleger und als geheimer Mitarbeiter der Stasi allgemein gemiedenen Sascha Anderson an dessen Kleinststand auf der Frankfurter Buchmesse.

Der absolute Hype um Pencks Arbeiten ebbte rapide ab, als er 2003 nach Ende seiner Professur an der Düsseldorfer Kunsthochschule nach Irland übersiedelte. Offenbar schon länge schwer krank, ist Penck am 2. Mai in Zürich gestorben.

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UND NUN: FILM AB. ACTION!

Im vergangenen Jahr haben wir Ihnen erstmals die Arbeiten des in Leipzig und Berlin lebenden Künstlers Matthias Friedrich Mücke (*1965 in Berlin) und seiner Edition Mückenschwarm vorgestellt: aufwändig originalgrafisch illustrierte Bücher und Hefte, deren günstige Preise teil-weise dadurch möglich sind, dass Mücke seine künstlerischen Fähigkeiten auch als Szenenbildner in den Dienst von Film und Fernsehen stellt. Wenn er mit Freunden über diese Arbeit spricht, begegnete ihm häufig Unverständnis über die vielen an der Filmproduktion Beteiligten, die im Abspann eines Films sichtbar werden. Also griff er zu seinem gewitzten Zeichenstift und porträtierte das gesamte „Set“, auf dass wir künftig alle genau wissen, was das Script-Girl zu tun hat und wozu man einen Materialassistenten braucht. Das ebenso schöne wie informative Buch (geniales Geschenk für alle Film-Freaks!) gibt es in 2 Versionen:

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

NEUE EINDRUCKSVOLLE GRAFIKEN VON ANGELA HAMPEL

Die Dresdner Künstlerin hat die Methapher des kleinen Bootes, der überladenen Nussschale antizipiert, eine Balance zwischen "sich retten" und der stets gegenwärtigen Gefahr des Kenterns. Große Kunst, in jeder Hinsicht