AUSSTELLUNG:
MARGIT GRÜGER – DAS UNDINE-PROJEKT. FARBHOLZSCHNITTE

IN DER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE FRANKFURT AM MAIN, AN DER STAUFENMAUER 9

Undine ist der Sage nach ein weiblicher Wassergeist, eine Nymphe, die erst dann eine Seele bekommt, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Einem untreuen Gatten bringt die Undine jedoch den Tod. Die Figur der Undine stammt aus der Stauffenberger-Sage, der Stoff ist wohl um das Jahr 1320 entstanden.

Margit Grüger, deren Undinen-Zyklus unsere Ausstellung zeigt, wurde zur Auseinandersetzung mit dem Thema durch Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ aus dem Jahr 1961 angeregt. Die Wasserfrau Undine ist bei Ingeborg Bachmann eine geistig unabhängige, selbständige Muse, die die Männer versteht, und zu der diese sich hingezogen fühlen.

Bachmann verleiht Undine allerdings nicht nur die Stärke und die Selbständigkeit, die sonst nur Männern zugesprochen werden, sondern unterwirft sie auch dem Zwang, die Männer zu lieben. Sie muss aus dem Meer auftauchen, „Hans“ (ihr Synonym für den Mann schlechthin) rufen, die Männer locken und besitzen. Bachmann nutzte den Undine-Mythos, um ein damals neues Bild von der Beziehung zwischen Mann und Frau zu beschreiben, das von gegenseitiger Anziehung, aber auch vom Kampf bis aufs Messer berichtet.

Margit Grüger setzt die Akzente anders: Sie besetzt die Männerrolle mit einem Seehund, also einem Wesen, das mit der Nymphe in deren Element leben kann und sich durch Neugierde und die Lust am Spielen auszeichnet. Nixe und Tier gehen mit unverhohlener Sympathie miteinander um. Man könnte (hier schreibt ein Hans!) die Bilder lesen als Reverenz an den modernen Mann, der gelernt hat, in ebenbürtiger Partnerschaft zu leben, die Daseinsbedingungen seiner Partnerin zu teilen, der neugierig, offen und beweglich ist.

ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

IM KABINETT:
LUDWIG GEBHARD (1933 BIS 2007) - KONSTRUKTIVISTISCHE GRAFIK

Manchen Künstler entdeckt man erst spät – kein Grund, solch ein wuchtiges grafisches Werk wie das des 1933 in Tiefenbach/Oberpfalz geborenen Ludwig Gebhard nicht auch jetzt – zum 10. Todestag – gebührend zu würdigen. 1959 bis 1965 studierte der Künstler an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeitete anschließend als freischaffender Künstler in München und Landsberg am Lech. 1983 war er Stipendiat der Villa Romana Florenz.

Neben der Malerei und der Bildhauerei widmete sich Gebhard insbesondere der Druckgrafik. In seinem Geburts-ort gibt es inzwischen ein eigenes Museum für den Künstler. Seine Werke befinden sich aber auch in der Albertina in Wien, im Kupferstichkabinett Basel, in der Pinakothek der Moderne und der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Gebhard arbeitete konstruktivistisch und in enger Verbindung mit dem Begründer der Konkreten Poesie, Eugen Gomringer. Unsere Ausstellung zeigt einen konzentrierten Ausschnitt konstruktivistisch aufgefasster Stillleben in kräftigen Farben, eine völlig eigenständige Position in der westdeutschen Nachkriegskunst.

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

TIER UND MENSCH BEI ANGELA HAMPEL

Das Undine Projekt von Margit Grüger hat auch die Dimension, die mehr und mehr beseelte Beziehung zwischen Mensch und Tier abzubilden. Deshalb haben wir zu den Bildern von Margit Grüger die einiger anderer Künstler/innen gesellt, zum Beispiel 2 neue kleine Radierungen von Angela Hampel.

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GÜNTER STILLER 90!

DER WIESBADENER VEREIN "KUNSTARCHE" ERÖFFNET AM SONNTAG, DEM 30. APRIL 2017 UM 11.30 UHR IN ANWESENHEIT DES KÜNSTLERS EINE GROSSE GEBURTSTAGSAUS-STELLUNG, IM RAD 42 IN WIESBADEN, ÖFFNUNGSZEITEN: MO-FR 9.00 BIS 12.30 UHR, MI 8.00 BIS 18.00 UHR.

Er ist einer der ganz Großen in der Buchkunst im Westdeutschland der Nachkriegszeit: Günther Stiller, 1927 als Sohn eines Schriftsetzers in Hamburg geboren, begann noch während des Krieges eine Lehre als grafischer Zeichner in einer Klischeeanstalt, aber der eigene Meister riet ihm zum Abbruch dieser Ausbildung, als nach dem Krieg die „Landeskunstschule“, die spätere Akademie für Bildende Künste in Hamburg, wiedereröffnet wurde. Dort gab es ausgezeichnete grafische Werk-stätten und auch eine gediegene typografische Ausbildung. Stillers Mutter ging putzen, u.a. um dem Sohn die Ausbildung zu ermöglichen.

Mitte der fünfziger Jahre wagte er den Sprung in die sozusagen bis heute andauernde freiberufliche Existenz. Sein Interesse konzentrierte sich bald auf die künstlerische Buchillustration, und er entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Avantgardisten der Buchkunst in den 60er und 70er Jahren. Er experimentierte mit verschiedenen grafischen Techniken, vor allem dem direkten Zeichnen auf Druckplatten, wodurch die damals neue Technik des Offsetdrucks künstlerisch als Orig.-Flachdruckgrafik nutzbar wurde.

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NADINE RESPONDEK MENSCHT TIERISCH!

Die 1976 in Potsdam geborene Künstlerin, die zu den acht Leipziger augen:faltern zählt, widmet sich in 7 Linolschnitten und Kurztexten 7 unterschiedlichen Tier-Mensch-Beziehungen. „Tiere, Menschen und Dinge sind auf sieben Linolschnittblättern in unterschiedlicher Weise miteinander verbunden. Manchmal haben sie sich frei-willig gefunden, manchmal vielleicht auch unfreiwillig. Auf alle Fälle sind sie in irgendeiner Form voneinander abhängig, so sehr, dass es durchaus auch zum Rollentausch kommen könnte.“ heißt es auf dem Textblatt zur aufwändigen Mappe. Eignet sich zur eigenen Erfreuung ebenso wie als großes Geschenk an einen kleinen Menschen oder 7 kleinere Geschenke an unterschiedlich große Leute...

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NEUES VON BUCHKUNST MÜTH: RINGELNATZ & SCHUPPENHAUER

Der Buchkunst-Verleger (und Aufsichtsrat der Büchergilde Genossenschaft) Dr. Thomas Müth und seine Frau Marlies sorgen mit ihren Leipziger „Hauskünstlerinnen“ Franziska Neubert und Petra Schuppenhauer erneut für frischen Wind und neue Ideen im Daherkommen originalgrafischer Illustrationen: Die beiden Künstlerinnen haben zu je einem Gedicht je 3 Orig.-Farbholzschnitte geschaffen, die in einen dreiflügeligen Hardcover-Deckel eingefügt sind – aber herausnehmbar! Die „Außenhaut“ dieses Aufklapp-Objektes ist mit einem weiteren, eben dreimal so großen Orig.-Farbholzschnitt bezogen. Die gigantische Auflage von 7 Exemplaren macht aus der Gebinde eine ziemlich exklusive Sache…

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NEUES VON BUCHKUNST MÜTH: FRANZISKA NEUBERT & TUCHOLSKY

Hier das Pendant zur Ringelnatz-Mappe von Petra Schuppenhauer, in gleicher Ausführung.

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FRANK EISSNERS PHILIPPINE
ACHTER TEIL

Der Künstler (*1958 in Leipzig und dort lebend) hat vor etlichen Jahren einen skurrilen Roman aus dem 19. Jahrhundert gefunden, in dem der Lebensweg eines somnambulen Mädchens beschrieben wird, das hellsehen kann, ein Stück phantastische Literatur. Frank Eißner beschloss, dieses Buch in 9 Folgen zu zerlegen, die er in ebenso vielen Heften, durchgängig in Original-Farbholzschnitten gestaltet, zu einem Bilderroman ausarbeitet. Ein großes Vorhaben, das seiner Vollendung entgegengeht.

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DERRIèRE LE MIROIR

war ein originalgrafisches Periodikum, das von 1946 bis 1982 von dem französischen Verlegerpaar Marguerite und Aimé Maeght in Paris herausgegeben wurde. Bestandteil der meisten Hefte war Originalgrafik bedeutender Künstler, die überwiegend vom wohl berühmtesten aller Litho-grafie-Drucker, Fernand Mourlot, gedruckt wurde. Aimé Maeght (1906 – 1981) war selbst gelernter Litho-graf, der mit Matisse und Pierre Bonnard befreundet war. Mit seiner Frau Marguerite (1909 – 1977) eröffnete er 1945 in Paris die Galerie „Marguerite et Aimé Maeght“, die schnell zu einer der bedeutendsten Adressen für moderne Kunst wurde und Künstler wie Bonnard, Matisse, Braque, Miró, Chagall, Calder, Kandinsky, Giacometti, Tàpies und Chillida vertrat. Bis heute ist die vom Galeristenpaar als Museum gestiftete Fondation Maeght in St. Paul de Vence in Frankreich eine Pilgerstätte für Liebhaber der modernen Kunst.

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KATHARINA KRANICHFELDS TAGEBUCH

Es schien eine Zeitlang ruhig geworden zu sein um dieses Enfant terrible der Berliner Kunstszene: weiblich, nicht mehr ganz jung, aber voll auf Latex und Leder. In Wahrheit war es natürlich wie immer im Leben der ungewöhnlichen Künstlerin bunt und dramatisch, nur der grandiose grafische Schaffensrausch, in dem sie die Litho-Druckerei der Berliner Tabor Presse fast im Alleingang auslastete, drückt sich jetzt in anderen künstlerischen Formen aus, vorwiegend in Film und „Verschriftlichung“ ihres Alltags in der Berliner S/M-Szene. Nun hat sie Typoskripte ihres Tagebuchs von 2013 zu einem Unikatbuch binden lassen, mit Reproduktionen farbiger Zeichnungen durchsetzt, im Anhang sind dem Buch 10 handschriftliche Tagebuchseiten mit Original-Pastellzkizzen beigebunden.

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HANSEN-BAHIAS GEWALTIGER KREUZWEG

Der Kreuzweg ist ein christliches Ritual, ein dem Leidens-weg Jesu Christi auf der Jerusalemer Via Dolorosa nach-gebildeter Wallfahrtsweg, auf dem in 7 oder 14 Etappen bestimmter Stationen des Golgatha-Weges gedacht wird. Diese Stationen werden durch Skulpturen oder Bildtafeln markiert und es liegt nahe, dass Künstler solche Bildzyklen auch ohne den Weg schaffen: HAP Grieshaber schnitt die Holschnitte für seinen Kreuzweg 1967 für die Kirche im Bruchsaler Schloss, Klaus Süß‘ Kreuzweg in Form von 14 bemalten Druckstöcken hängt seit 2007 in der evangelischen Kirche in Eitorf bei Köln.

Hansen Bahia hat in seinem Leben das Thema zwei Mal bearbeitet: Während der Tittmoninger Kreuzweg von 1960, benannt nach seinem Atelier in der gleichnamigen Burg nahe Bad Reichenhall, sich eng an die biblischen Stationen des Weges nach Golgatha hielt, schuf er 1976 als letztes großes Werk überhaupt den gewaltigen Kreuzweg-Zyklus „Knie nieder, wenn du kannst“: Ein beindruckendes Resümee seiner ganzen Lebensepoche, figurenüberbordend, die Stationen als Metaphern für zeit- und gesellschaftskritische Betrachtung nutzend, derb und deftig, tragisch und voll Witz – für mich eine der bedeutendsten Grafikfolgen der Moderne. Und weil Hansen-Bahia nach wie vor am Kunstmarkt grotesk unterbewertet ist, äußerst günstig:

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DETLEF KARSTEN 1958 BIS 2017

Meine eigene Tätigkeit als Kunstvermittler ist eng mit dem künstlerischen Lebenslauf Karstens verbunden: Ich habe 1987 die erste Einzelausstellung des Künstlers, damals noch in der Kellergalerie der Büchergilde in Wiesbaden, ausgerichtet, ihn als Vorsitzender des dortigen Kunstvereins gefördert, seine Arbeiten im Büchergilde artclub vorgestellt, auch im Tabor Kalender war er mehrfach mit Original-Lithografien vertreten.

Nun ist er, nach quälender Krankheit, einen Tag vor seinem 59. Geburtstag gestorben, und das tut furchtbar weh.

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