HORST HUSSEL

1934 bis 2017
Dass er sterblich sei, stellte er in Abrede. Denn die Wirklichkeit war für ihn immer eine Sache, die man umdichten, neu erfinden und ausschmücken kann. Was für ein wunderbarer Fabulierer, in Worten wie in Bildern! Wenn ich, umhüllt vom Rauch seiner immer brennenden Zigarette, im tiefen alten Ledersessel seiner Pankower Altbauwohnung am Park saß, dachte ich immer: Eine Bühne finden! Darauf Hussel in dämmrigem Licht, in einem Sessel, und nur erzählen lassen. Das werden unvergessliche Erlebnisse für alle, die dabei sein dürfen.

Dass manche poetische Fabulierer fürchten, erlebte er als Student bei seinen wiederholten Hochschulrelegationen. Die Buchillustration war wie für ihn gemacht, ermöglichte sie ihm doch das ausschweifende Fabulieren mit Zeichenstift und Feder. Dass er auch grantelig sein und Förderer und Bewunderer vor den Kopf stoßen konnte, ist die vielleicht unabdingbare Kehrseite der poetischen Medaille.

Zu seiner größten Verwunderung, aber irgendwie einverstanden, ist Horst Hussel am 18. November 2017 in einem Berliner Hospiz gestorben.