BELE BACHEM

„Ja – wer ist nun Bele Bachem?

Wer es eilig hat, würde sagen „Eine liebe kleine Frau“ und sogar recht haben, denn von Statur ist die Künstlerin wahrlich kein Riese. Nach glaubhaften eigenen Angaben mißt sie einsvierundfünfzig. Und als müßte sie sich sorgen, übersehen zu werden, trägt sie viel Gold an den Fingern und Geschmeide wie eine Königinmutter. Ähnlichkeiten mit der Roman-tiker-Gräfin Hahn-Hahn, die als Odaliske kostümiert, von Babylon nach Jerusalem reiste, oder gar mit einem Medizinmann aus Ubangi-Schari sind rein zufällig. Sie scheint versehentlich in diese Zeit, in diese Welt geraten zu sein…“ So beschrieb der Kunsthistoriker Günther Böhmer 1987 Bele Bachem im Vorwort zu deren Buch „Fische“ (s.u.) – er war seit 1940 mit Bele Bachem verheiratet.

Der außerfamiliäre Betrachter darf ergänzen: Bele Bachem ist eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen des 20. Jahrhunderts, deren umfangreiches Lebenswerk mit Schwerpunkt Malerei und Grafik auch Kleinplastiken, Bühnenbilder, Filmausstattungen (z.B. „Das Wirtshaus im Spessart“), Bücher, Texte, Illustrationen, Plakatkunst und Design umfasste.

1916 in Düsseldorf geboren als Tochter des Malers Gottfried Maria Bachem und Urenkelin des bedeutenden Kölner Verlegers Joseph Bachem, konnte sie bereits als Kind im väterlichen Atelier nach Modell zeichnen und entwickelte rasch ihr Talent. 1933 ging sie nach Berlin und verdiente sich selbst das Studium in den „Vereinigten Staatsschulen“ bei Prof. Kaus, u.a. durch das Kolorieren alter Stahlstiche.

Nachdem sie ab 1937 in Magazinen Miniaturen publiziert hatte, bekam Bachem schon 1943 die Chance, für eine Aufführung der Münchner Kammerspiele ihr erstes Bühnenbild zu schaffen, im gleichen Jahr ereilte sie aber auch ein komplettes Veröffentlichungsverbot der Nazi-Kulturbehörden, eine bereits geplante Ausstellung musste abgesagt werden.

Nach dem Krieg wird die ungeheuer produktive Künstlerin europaweit gefeiert, sie hat große Ausstellungen in Zürich, Bozen, Hamburg und Mailand und erhält 1952 den Toulouse-Lautrec-Preis der Stadt Paris, 1956 den Plakatpreis der Stadt Wien. Sie bediente mit ihrer Bildsprache sowohl das Bedürfnis nach heiterer Weltsicht der aus Krieg und Nazizeit Davongekommenen als auch das neue Selbstbewusstsein der weiblichen Nachkriegsgeneration.

Die Frivolität und der fröhliche Umgang mit weiblicher Sexualität in ihren Bildern stellen einen der gravierendsten Tabubrüche der Nachkriegskunst dar: Die unverkrampfte Darstellung der Frau als Subjekt von Sexualität in Bachems Bildern und Büchern kamen aber so selbstverständlich daher, dass sie – anders noch als bei den Nazis – noch nicht einmal zum Skandal taugte, sie verlieh einfach nur einer neuen Normalität Ausdruck.

Bele Bachem ist auch die wahrscheinlich meistpublizierte deutsche Buchillustratorin des 20. Jahrhunderts: Ein 1986 erschienenes Werkverzeichnis listet zu diesem Zeitpunkt bereits 113 (!) von ihr illustrierte Bücher – für sieben von diesen hat sie auch die Texte geschrieben. Viele literarische Werke, die sie illustrierte, sind inzwischen aus der Zeit gefallen, das illustrative Werk der 2005 im Alter von 89 Jahren gestorbenen Künstlerin aber bleibt monumental.

Wolfgang Grätz

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Eine übliche kleine Bosheit

Künstler-Vorzugsausgabe

Fische. Ein Zyklus

Liebe der Stierin

Federzeichnung 1956

Bräute

Zeichnung, koloriert. 1955

Die Mutter

Zeichnung, koloriert. 1955

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Das tote Herz

Zeichnung 1956

Ausflug ins Gebirge

Lithographie, 1976

Ein Geburtstagsgeschenk

Originalserigraphie 1997

Die Fußwaschung

Lithographie

Zigeunerlokal mit blauer Ziege

Farblithografie

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Drei Grazien am Meer

Farblithografie

Sonntag der Vampyrinnen

Lithografie von der Zinkplatte in drei Farben

Sommerfrühstück

Farblithografie, übermalt

VERKAUFT!

Villa im Eulenviertel

Farblithografie

Etwas Orientalisches

Farblithografie

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Kavaliere und Kavalierinnen. Wem gebührt die Rose?

Lithografie

Drei Grazien mit Äffin

Lithografie in 5 Farben

Elvira mit Beidamen

Farblithografie

Gefangene der Spiele

Lithografie, handkoloriert

Auf zum Gesundheitsturnen

Original-Farblithografie

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Die Botschaft der Tauben

Original-Farblithografie

Die Eulinnen

Radierung

Ausflug ins Gebirge

Lithographie

Wenn ich einen Zwerg hätte

Lithographie, handkoloriert

Das Bett des Jägers

Lithographie

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Unschuldige Waisenkinder

Lithographie