WIR LADEN SIE SEHR HERZLICH EIN ZUR ERÖFFNUNG UNSERER AUSSTELLUNG:
FRANK EISSNER – BILDER EINER CHINAREISE
AM FREITAG, DEN 28. JUNI 2019 UM 19.30 UHR.
FRANK EISSNER WIRD PERSÖNLICH ANWESEND SEIN

IN DER FRANKFURTER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE VOM 28.6. BIS ZUM 26.8.2019 ZU SEHEN, MONTAG BIS SAMSTAG, 10.00 BIS 19.00 UHR.

Hand auf’s Herz, wie viel wissen wir Eurozentrist/inn/en über chinesische Kultur und Geschichte? Ich jedenfalls bin so wenig sattelfest, dass ich auf die Kräuterbonbon-Frage „Weerrrr hat’s erfuuunden?“ im Zweifel immer gleich „die Chinesen“ antworten würde, weil man damit so oft richtig liegt. Ein bisschen heftig ist es schon: Die erste deutsche Papiermühle nahm etwa im Jahr 1390 ihre Arbeit in Nürnberg auf – über das chinesische Papier aber schreibt die auch in China umtriebige, in Berlin lebende Holz-schneiderin Eva Pietzker: „Grundbedingung (für was wohl? Natürlich die Erfindung des Holzschnitts!) war die Entwicklung des Papiers, die auf das Jahr 105 (!) datiert wird, als der Hofbeamte Ts'ai Lun dem Kaiser das Papier vorstellte, das er aufbauend auf frühere Herstellungstechniken entscheidend verbessert hatte (…) Der Holzschnitt als die älteste Drucktechnik wurde in China entwickelt. Vorläufer waren das Schneiden von Stempeln zur Reproduktion taoistischer und buddhistischer Bilder sowie zum Stoffdruck. Die eigentliche Geburt der Druckkunst liegt in der Tangzeit (618 – 907), vermutlich im 8. Jahrhundert…“

Schlappe 1300 Jahre später reist ein aus Leipzig stammender Holzschneider mit einem auf die Präsentation chinesischer Kunst in Deutschland spezialisierten Galeristen 3 Wochen lang durch China, abseits der touristischen Highlights. Chinesischer Alltag, Künstlerateliers, Orte, an die man ohne den mit exzellenten Beziehungen gesegneten Reiseführer nie käme, sind die Destinationen...

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

AUSSTELLUNG IM KABINETT:
HANSEN BAHIA – SELTENE MAPPENWERKE

Eigentlich sollte ich jeden Grafikbrief mit dem Satz enden lassen: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Hansen-Bahia zu Unrecht völlig unterbewertet ist.“ Der Künstler mit Ausstrahlung auf drei Kontinente hat auch 40 Jahre nach seinem Tod wenig von seiner Modernität verloren, im Gegenteil, erst jetzt sticht ins Auge, welch ein politischer Künstler Hansen-Bahia war, der einzige seiner Zeit in Deutschland z.B., der in seinem Werk an die Gräuel der Sklaverei erinnerte und damit an die Grundlage der rassistischen Diskriminierung des afrikanisch-stämmigen Bevölkerungsteils Südamerikas, die z.B. durch die neue Regierung Brasiliens widerlich aktuell ist.

Karl-Heinz Hansen, 1915 in Hamburg geboren, war in jungen Jahren Eisverkäufer in Italien, Artist in einem Wandertheater, Matrose und bis 1945 Soldat. Nach dem Krieg begann er zu malen, wandte sich aber ab 1947 dem Holzschnitt zu. 1949 wanderte er nach Sao Paulo/ Brasilien aus und hatte dort relativ rasch mehrere große Ausstellungen. Zum Schicksal wurde ihm sein Umzug nach Sao Salvador da Bahia 1955: Dort lebte er unter Fischern, Matrosen, Händlern und Bettlern und druckte auf einer kleinen Handpresse Holzschnitte, die den Alltag der Menschen dort dokumentierten...

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KLITZEKLEINE KLIMA-PUZZLETEILCHEN

Weil die beste Recycling-Methode eine direkte Mehrfach-nutzung ist, verwenden wir (schon lange) für unseren Versand auch gebrauchte Paketverpackungen. Dass wir auch für diese die neue Jahres-Verpackungsabgabe bezahlen, soll kurz erwähnt werden. Die unterscheidet nicht zwischen Alt- und Neuverpackung. Ob das schlau ist?

Manche von Ihnen werden schon bemerkt haben, dass wir letzthin einzelne Bücher nicht mehr als Paket, sondern als gepolsterten Brief (bis 1000 gr., bis 5 cm Dicke und 35 cm Länge) versandt haben. Hintergrund ist unsere Überlegung, dass Paketdienste schadfstoffintensiv die Innenstädte verstopfen, während die fußläufigen Briefträger zu wenig Arbeit haben. Da wollen wir unser Scherflein zur Korrektur beitragen. Sollten bei Ihnen im oder vor dem Haus Sendungen schon weggekommen sein und Sie deswegen einen Versand per DHL bevorzugen, bitten wir um kurzen Hinweis bei der Bestellung.

CHINESISCHE KUNST AUS DEUTSCHLAND:
REN RONG

Seit 1986 lebt und arbeitet der 1960 in Nanjing geborene Künstler in Deutschland (und in Peking), Wikipedia nennt ihn „einen der international bekanntesten Künstler chinesischer Herkunft der Gegenwart“. Ren Rong kam nicht als Emigrant oder Dissident, er ist einfach ein unglaublich charmanter und umtriebiger chinesischer
Künstler mit deutscher Gattin, an dem niemand vorbeikommt. So ging es auch der Büchergilde, für die er eine Serie poetischer Aquarelle im Rahmen seines Zyklus „Pflanzenmenschen“ (sind wir das nicht inzwischen alle?) schuf…

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SVATO ZAPLETAL EHRT HEINRICH VON KLEISTS „MARIONETTEN-THEATER“

Der in Hamburg und Prag lebende V.O. Stomps-Preisträger wählt die Texte, die er in aufwändiger Arbeit als Pressendrucke herausbringt, sehr sorgfältig aus – es geht ihm tatsächlich darum, dem Gewicht eines Textes im großen Meer der Bücher durch die luxuriöse Darreichung in Handsatz und originalgrafischer Illustration Ausdruck zu verleihen. Kleists „Über das Marionettentheater“ hält der Künstler für das modernste Stück dieses Autors: „Ein Tänzer schildert, wie sehr er die „natürliche Grazie“ in den Bewegungen der Puppen bewundert; es gebe eine natürliche Anmut, die sich nur in völliger Abwesenheit von Bewusstsein manifestiere. Dies macht neugierig: Hier wird anhand dreier wechselseitig berichteter Anekdoten, neben erzählerischer Räumlichkeit, ein abstrakter, philosophischer Gedanke entwickelt. Es geht um Grazie, Anmut und Schönheit, um Verlust der Unschuld durch Selbst-verliebtheit und um Selbstinszenierung…“

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ANATOL (HERZFELD) 1931 – 2019

Der spätere Beuys-Meisterschüler Karl-Heinz Herzfeld wurde 1931 als uneheliches Kind einer sehr jungen Mutter in Insterburg/Ostpreußen geboren und Pflegeeltern anvertraut. Nach der Flucht ins Rheinland 1945 begann er zunächst eine Lehre als Kunstschmied und wurde 1953 Verkehrspolizist. Diese Tätigkeit, die er vor allem mit einem Puppenspiel-Programm in Schulen verbrachte, ließ ihm Zeit für ein Studium mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys 1964 – 1972. Um sich eine zweite Identität als Künstler zuzulegen, nannte er sich Anatol, nach einer Figur aus Tolstois Krieg und Frieden.

Nach der aus politischen Gründen erfolgten Entlassung von Beuys als Düsseldorfer Hochschullehrer schuf Anatol aus einem 30 Meter langen Pappelstamm den Einbaum „Das Blaue Wunder“, mit dem er Beuys am der Akademie gegenüberliegenden Rheinufer ab- und über den Rhein „heimholte“.

Anatol, der bis zur Pensionierung 1991 auch puppen-spielender Polizist blieb (was es alles gibt!) und 2011 zum Polizei-Oberrat h.c. in Düsseldorf befördert wurde, aber auch an der documenta 5 (1972), 6 (1977) und 7 (1982) teilnahm, hat ein wunderbares Werk kleiner verspielter Auflagenobjekte („multiples“), geschaffen.

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HOHES LIED VON UND AUF HELGE LEIBERG

Der Name von Helge Leiberg, für dessen Kinder ich vor vielen Jahren auch schon mal den Nikolaus gegeben habe, steht für eines meiner Dilemmata: Niemand gönnt einem Künstler (auch) den wirtschaftlichen Erfolg mehr als ich, trotzdem bedeutet der für mich oft genug die (geschäftliche) Trennung: Ab einer bestimmten Preisregion kann und will ich nicht mehr tätig sein. Ich meine es nicht polemisch, aber ich bin in Sachen Kunst und Buch-kunst unterwegs und nicht in Sachen Investitionen, das ist nicht mein Metier. Aber z.B. die fabelhaften Skulpturen Leibergs fallen schon in die Preisregion „Klein-wagen“, und anders ist das beim Kostenapparat einer weltweit auf Messen präsenten Galerie auch gar nicht machbar. Sprich: Es desavouiert nicht den Künstler und nicht die Galerie, es ist schlicht unerlässlicher part oft the game. Nur braucht man als Kunstliebhaber/in für dieses game reichlich Puseratzen.

Umso mehr freue ich mich, wenn ich auf dem „Sekundärmarkt“ günstige Preziosen solcher Künstler entdecke, über die ich dann die Preishoheit habe. Eine solche ist das Hohe Lied Salomons, das der unglaublich buchaffine Künstler 1991 in der Mainzer „Edition Ligatur“ herausgebracht hat.

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WELCHES BUCH „MUSS“ MAN HABEN?

Zu Hansen-Bahias Illustration von Lukians „Hetärengesprächen“ geschrieben, dass dies das vielleicht schönste Buch von Hansen-Bahia ist, und meine persönliche Meinung ist: Dieses Buch muss ich haben! Ein wahrhaftiges Monument der Buchkunst ist natürlich HAP Grieshabers gewaltiger „Totentanz von Basel“ mit 40 Orig.-Farbholzschnitten, 1966 in deutsch-deutscher Kooperation gestaltet und gedruckt, und damit auch noch mit einer historischen Dimension ausgestattet. Ein Buch, in dessen Bildern man regelrecht spazieren gehen kann. Die Kultur, in Bildern darstellen, wie der Tod groß und klein, hoch und niedrig, jung und alt holt, ist mehr als 500 Jahre alt und dient seit jeher dazu, sich in Demut dem Geschenk des Lebens bewusst zu bleiben.

Zwei Beispiele für Kriterien, nach denen man sich für ein Buchkunstwerk entscheidet. Die meisten Bücher schafft man sich ganz sicher aus persönlichen Vorlieben an – für Texte, für Autoren, für die Künstler, für die hohe Buchkultur von Satz, Typografie und Gestaltung.

Ich fände es spannend für mich, und ich glaube auch für andere, zu wissen, welches Ihrer Bücher Sie als absolut unverzichtbar empfinden. Wenn Sie Zeit und Lust haben, vor Ihren Bücherschrank (wahrscheinlich ist der Plural angemessener) zu treten und kurz den Blick schweifen zu lassen, würde ich mich über eine Kurzmitteilung Ihrer Wahl, in welcher Form auch immer, sehr freuen.

Hier soll es keineswegs um so eine Zeiterscheinung wie ein Ranking oder einen Kanon gehen, sondern um einen anregenden Austausch, den ich im nächsten Frankfurter Grafikbrief dokumentieren würde.

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EIN WORT ZUM LEIPZIGER KÜNSTLER AXEL KRAUSE

Die diesjährige Jahresausstellung in der Leipziger Spinnerei (mit den Künstler/inne/n, die dort ihr Atelier haben) wurde überschattet von der Auseinandersetzung um die Teilnahme von Axel Krause, der sich seit einiger Zeit für die AFD engagiert.

Die Büchergilde hat vor 10 Jahren zwei Grafiken von Krause verlegt, und das allerletzte Exemplar sehen Sie hier - damit man mal weiß, was der überhaupt macht.

Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht, dass er ein Rechtsradikaler ist. Schon damals vermittelte er mir den Eindruck, dass er sich nicht genügend, nicht gerecht gewürdigt sieht. Als ich mit ihm die beiden Grafiken für die Büchergilde verabredete, stand die „Neue Leipziger Schule“ in voller Blüte, aber Krause kannten nur Insider, obwohl er von seiner Qualität einem Neo Rauch sehr wohl das Wasser reichen konnte. Wieder Frust-Futter für den ohnehin schon Gekränkten, der aber einfach nur kein Marketing-Genie wie Judy Lybke als Galeristen hatte. Aber die Gekränkten sammeln die Rechtspopos ja am Leichtesten ein.

Schon damals fiel mir auf, dass es ihm sehr wichtig war, zu betonen, dass er ja eigene Wege geht, sich von allen anderen absetzt. Das kann man im Künstler-Milieu sicher am Besten durch Beziehungen zu dieser Ich-bin-das-arme-Opfer-Partei. Dass dann die anderen nicht mehr mit ihm spielen, sprich: nicht mit ihm zusammen in der Jahresausstellung vertreten sein wollen, bestätigt wieder das Empfinden des Opferdaseins, bringt aber auch die ersehnte mediale Aufmerksamkeit.

Es ist aber grundsätzlich die Frage: betrachte ich Kunst an sich oder in Verbindung mit dem Künstler? Emil Nolde war nun wirklich während der 12 Massenmörderjahre ein glühender Nazi und das wusste man auch schon lange, bevor man 2019 seine Bilder im Kanzleramt wieder abhängte. Trotzdem ist er nach 1945 nicht aus den Museen geflogen.

Es scheint aber so zu sein, dass sich gerade die moralischen Maßstäbe der deutschen Gesellschaft ändern. Meines Erachtens muss das nicht heißen: besser werden im Sinne eines menschlicheren Umgangs miteinander. Es kann auch ein schäbiges Instrument sein, um sich über andere zu erheben. Eine Haltung dazu einzunehmen obliegt jedem/jeder Einzelnen selbst.

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ZUM VORMERKEN:

AM FREITAG, 16.8.19 UM 19.30 UHR DEMONSTRIERT DER JUNGE KUPFERSTECHER FALK GEISSLER DIESE NUR NOCH SELTEN AUSGEÜBTE GRAFISCHE TECHNIK

So sehr oft hat man nicht Gelegenheit, einem Kupferstecher über die Schulter zu schauen - es gibt nur ganz wenige. Und noch seltener ist es, dass sich junge Künstler um diese Technik bemühen. Falk Geißler, 1983 in Oschatz geboren, ist so ein weißer Rabe, und zur Eröffnung einer Ausstellung mit seinen Kupferstichen führt er uns die Wort udn Tat imn diese seltene Technik ein.