Größtmöglich: Farbholzschnitte von
Franziska Neubert und Petra Schuppenhauer

Vernissage Samstag, 19. November 17.00 Uhr in der Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt/Main

Ausstellung 19.11.2022 - 15.1.2023

Mo – Fr 10.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 17.00/Dez. 19.00 Uhr

Die Rixdorfer druckten – mehr als Happening – schon mal einen sehr, sehr großen Holzschnitt mit der Dampfwalze. Der in Berlin lebende Thomas Kilpper (*1956 in Stuttgart) ist dafür bekannt, Fußböden zumeist leerstehender Gebäude zu großformatigen Druckstöcke umzuwidmen. In beiden Fällen entstehen schnitttechnisch einfache Schwarzweiß-Drucke. Die Kölner Holzschnitt-Kunstmarktstars Gert und Uwe Tobias (beide *1973 in Kronstadt) drucken auch mal 2 x 2 m-Formate in mehreren Farben. Das sind aber von Hand abgeriebene Unikate (oder „Duokate“).

Die beiden in Leipzig lebenden Künstlerinnen Franziska Neubert und Petra Schuppenhauer haben es sich zur Auf-gabe gemacht, den vielfarbigen Auflagendruck in neue Dimensionen zu heben. Und das in nachgerade fotorealistischer Perfektion, in 7 bis 10 Druckgängen – bei einem Format von 140 x 100 cm! (Da braucht’s schon die ganze Wand über der Couch…)

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Fortsetzung "Größtmöglich" - Farbholzschnitte von Petra Schuppenhauer und Franziska Neubert

Die erste hohe Hürde bei einem solchen Vorhaben ist, ist, dass kein Künstler eine so große Druckpresse im Atelier stehen hat. So ist es wohl kein Zufall, dass solche Arbeiten in Leipzig mit seiner großen Druck- und Grafiktradition entstehen. In der „Baumwoll-Spinnerei“, einem riesi-gen früheren Textilfabrik-Areal, in dem sich nach der Produktionseinstellung 1989 zahlreiche Künstler und Galerien angesiedelt haben, hat der Künstler Thomas Siemon 2002 eine Druckgrafikwerkstatt eröffnet, die u.a. auch den „Lubok“ druckt. Er verfügt über eine Andruckpresse im außergewöhnlichen Format von 100 x 140 cm. Hierher schleppen die beiden Künstlerinnen ihre 130 x 90 cm großen hölzernen Druckstöcke. Und das nicht ein-, sondern sieben bis zehn Mal für jede Grafik.

Warum denn das? Weil sie in der Technik der „verlorenen Form“ arbeiten. Jahrhundertelang wurden für mehrfarbige Holzschnitte mehrere Druckplatten geschnitten, für jede Farbe eine, die nacheinander gedruckt wurden. Pablo Picasso entwickelte in der 1950er Jahren dann eine neue Technik, in der im ersten Schritt aus einer Platte alles herausgeschnitten wurde, was zum Schluss weiß bleiben sollte, dieser Zustand wurde dann, sagen wir mal, in Blau mit den weißen bleibenden Aussparungen, gedruckt. Wenn nun an der gleichen Druckplatte weitergeschnitten und dieser nächste Zustand in Rot auf das schon mit Blau bedruckte Blatt gedruckt wird, bleibt vom Blau nur noch das sichtbar, was soeben aus der Platte herausgeschnitten wurde. Es ist so „trocken“ nur schwer zu verstehen, deshalb haben wir unter „Themen: Drucktechniken“ die Abfolge anhand einer Grafik von Klaus Süß dokumentiert.

Viele Holzschnitt-Künstler/innen arbeiten inzwischen in dieser Technik, die, wie man sich vorstellen kann, ein ungeheures Maß an Planung und Abstraktionsvermögen erfordert – so wie etwa bei der Hinterglasmalerei, wo der Künstler ja auch zuerst die kleinen Farbtupfer auf die Glasplatte auftragen muss, die normalerweise in der Malerei ganz zum Schluss die Tüpfelchen auf dem i wären...

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Das Prinzip der Drucktechnik der "verlorenen Form"

Dargestellt am Beispiel eines Farblinolschnitts von Klaus Süß

Franzisak neunert und Petra Schuppenhauer arbeiten in dieser von Pablo Picasso gefundenen Technik, bei der ein vielfarbiger Holzschnitt aus nur einer Druckplatte entsteht. Dazu muss der Künstler mit hohem Abstraktionsvermögen planen, was für jede einzelene Farbe nacheinander aus der
Platte geschnitten werden muss. Spätere Korrekturen sind unmöglich, die Form ist ja verloren.

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Hans Ticha mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ für sein Lebenswerk in der Kinder- und Jugendbuch-Illustration ausgezeichnet!

„Ein Buchkünstler einzigartiger Klasse“ schreibt die Jury, und weiter: „Der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis Gesamtwerk geht an den 1940 geborenen Illustrator Hans Ticha, dessen kinderliterarisches Schaffen seinen Höhepunkt in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR hatte. Seine Bilderwelten bewegen sich klug ausbalanciert zwischen Poesie, Pop-Art und Persiflage... Der Deutsche Jugendliteraturpreis ehrt einen einzigartigen Bilderbuchkünstler, dessen Bücher zwischen Eigensinn und politischer Geste einen erneuten Auftritt in allen Haushalten, Schulen und Kindergärten verdienen.“
Da gratulieren wir sehr gerne, und zwar auch der Jury, die ausdrücklich eine der DDR-Kultur zuzuordnende Leistung würdigt und damit anerkennt, dass, wer einen Teil seines Lebenswerkes unter den widrigen Bedingungen des DDR-Staates erbracht hat, nicht mit diesem in einen Kritik-Topf geworfen gehört. Möge sich die Kunst auch hier als Vorreiter gesellschaftlichen Wandels erweisen.

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Originalgrafische Plakate von Hans Ticha

Hans Ticha hatte in der DDR mehrere Museums-Ausstellungen seiner Kinderbuchillustrationen, zu denen er originalgrafische Plakate schuf. Oder auch ein Werbeplakat für eine Clownstruppe, wie hier abgebildet. Die Plakate von Hans Ticha findnde Sie unter "Künstlerplakate".

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Susanne Theumer - Radierbuch "Goldberg" und Gemeinschaftsmappe mit Frank Eißner

Neuentdeckungen vom Aschaffenburger Buchkunstsalon

Parallel zur Frankfurter Buchmesse fand der 3. Aschaffenburger Buchkunstsalon statt, eine sehr nahbare Veranstaltung mit nur 15 Aussteller/inne/n, Marionettentheater und Gitarrenkonzert - und endlich wieder die Möglichkeit, neue wie bislang nicht entdeckte Schöpfungen von Buchkunst und Druckgrafik sinnlich und nicht digital zu sehen... Eine Auswahl meiner Entdeckungen: Beginnend mit der Hallenser Super-Radiererin Susanne Theumer - klicken Sie aufs Bild

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Ein Buch aus der Werkstatt von John Gerard: Rilkes "Herbsttag" in Kalligrafie und Scherenschnitt aus hangeschöpften Papieren

Wir hatten Ihnen diesen wirklich weltberühmten Papierkünstler Anfang des Jahres im Rahmen unserer Ausstellung zum Büttenpapier ausführlich vorgestellt. Der 1955 in Michigan/USA geborene Gerard lebt und arbeitet seit 1984 in Deutschland, zuerst in Berlin, seit 1992 in der Voreifel. Er schafft nicht nur eigene Bücher aus dem Zusammenguss verschiedenfarbiger Papierfasermassen, er sucht für seine absolut außergewöhnlichen Buchprojekte auch die Zusammenarbeit mit anderen bildenden Künstlern. In Aschaffenburg präsentierte er ein Buch, das ich bei meinem Atelierbesuch nicht gesehen hatte:

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Andrea Lange - aus Druckstöcken macht sie Materialcollagen

Neuentdeckungen vom Aschaffenburger Buchkunstsalon

Die in Kemberg bei Wittenberg lebende Künstlerin reiste mit einem Campingtisch und einer angefangenen Druckplatte zum Aschaffenburger Buchkunstsalon an: Weil sie als versierte Druckerin auch andere Künstler unterstützt und z.B. gerade die Farbholzschnitte für Hans Tichas Brecht-Vorzugsausgabe für die Büchergilde gedruckt hat, ist sie mit eigenen Projekten in Verzug. Für ihren Holzschnittkalender für 2023 hatte sie gerade erst 4 der 12 Farbholzschnitte fertig, da musste jede freie Minute für das aufwändige Bearbeiten der Druckstöcke genutzt werden. Man konnte dabei auch beobachten, wie häufig sie ihre Schneidewerkzeuge auf einem mitgebrachten Schleifstein nachschärfen musste. Zu entdecken gab es bei ihr eine neue Art, mit den Druckstöcken etwas ganz Nneues zu schaffen...

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Ein neues und zwei eindrucksvolle Bücher von Svato Zapletal

Neuentdeckungen vom Aschaffenburger Buchkunstsalon

Soeben ist das sage und schreibe 81. Buch des Svato Verlages erschienen, alle von dem in Hamburg und bei Prag lebenden Künstler, der für sein großartiges Buchkunstlebenswerk schon mit dem V.O.Stomps-Preis ausgezeichnet wurde, mit orig.-grafischen Illustrationen versehen, und oft literarische (Neu) Entdeckungen. Zum neuen Buch schreibt Svato: „Diese zwei Texte von Edgar Allan Poe stehen für zwei ganz unterschiedliche Pole seines Schaffens: Das Gedicht „Der Rabe“ gilt heute als das erste bedeutende Gedicht Amerikas in der Weltliteratur; es hat schon zu Lebzeiten Poes Bekanntheit enorm gesteigert. Und eine seiner letzten Geschichten, „Das Fass Amontillado“ ist eine makabre Schauergeschichte und erzählt von einem wahren Rachefeldzug; vielleicht eine literarische Verarbeitung seiner Verbitterung über etliche negative Kritiken und seine ständigen finanziellen Sorgen.“

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Frank Eißner - ein Fotobuch aus seinem Atelier und eben die Gemeinschaftsmappe mit Susanne Theumer

Neuentdeckungen vom Aschaffenburger Buchkunstsalon

Den 1958 in Leipzig geborenen Künstler, dessen herrliches sächsisches Idiom vermuten ließ, dass er nie woanders kommunizieren könnte als eben dort, hat es vor einigen Jahren zu guten Freunden an den fränkischen Main gezogen, und Aschaffenburg ist eine kunstsinnige, weltoffene Stadt und hat ihn als große Bereicherung der örtlichen Kunstszene mit offenen Armen empfangen. Er gibt etwas zurück, zum Beispiel durch die Mitinitiierung und Organisation des Buchkunstsalons.

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Original-Grafikkalender für 2023

Der Büchergilde-Orig.-Grafik-Kalender-im-Sack 2023 ist im Entstehen, er wird Anfang Dezember versandt.

Da dieser sehr schnell vergriffen war, sehe ich mich noch nach Alternativen um für alle, die keinen unserer Kalender mehr bekommen können, und kann über einige Exemplare des Vogtländischen Kunstkalenders 2023 verfügen, die normalerweise nur von den beteiligten Künstler/inne/n direkt vertrieben werden. Beteiligt sind u.a. Inka Grebner, Andrea Lange, Andrea Ackermann (eine sehr gute Radiererin, die auch in Aschaffenburg vertreten war) und die großartige Anastasiya Nesterova (siehe Abb.).

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Katja Zwirnmann – Von der Magia Naturalis

Die Leipziger Künstlerin, wie Franziska Neubert und Petra Schuppenhauer Mitglied der Künstlerinnengruppe augen:falter, beschäftigt sich immer wieder, mal spielerisch, mal wissenschaftlich, mit dem Magischen, dem Okkulten. Das ist weniger weit hergeholt als es auf den ersten Blick erscheinen mag: „Die Wurzeln der abendländischen Magie reichen weit in die Antike und die Zeit des alten Orients zurück. Sie prägte das mittelalterliche und frühneuzeitliche Denken Mitteleuropas und reichte bis in die Epoche der Aufklärung.

Ausgehend von dem Buch „Geheime Unterredungen zwischen zweyen vertrauten Freunden“ von 1702, welches den Unterschied zwischen der magia naturalis und der magia daemoniaca thematisiert, entstand die Idee, magisches Denken und frühe Naturwissenschaft zu einer Grafik zu komponieren.“

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Opulenter Katalog von Rainer Ehrt

...durch den man sich im Internet schon mal durchblättern kann

In der überschaubaren Riege der herausragenden Buchkünstler besetzt Rainer Ehrt oft den Platz des Satirikers. Porträtsicherheit als Voraussetzung des Karikierens und ein Feuerwerk sprühender Bildideen zeichnen den Künstler aus. Nun gibt es einen Katalog mit einer Werkübersicht, prall voll Leben und Witz und Kunst.Der Verlag hat den gesamten Katalog digital zum Blättern ins Internet gestellt, den entsprechenden Link dorthin finden Sie nach Klicken aufs Bild. Was es digital nicht gibt, ist die beigelegte Originalradierung dieser preiswerten Vorzugsausgabe, die Sie hier sehen

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Neu in den letzten 14 Tagen

Wir haben einen neuen Service auf grafikbrief.de eingerichtet: Ein Link auf der Startseite "Neu in den letzten 14 Tagen" verschafft Ihnen auf einen Klick eine Übersicht, bei welchen unserer ca. 250 Künstler/inne/n, Druckpressen, Verlage und Themen wir Neues eingestellt haben. Alles, was hier in der Übersicht des aktuellen Grafikbriefs neu ist, findet sich dort nicht, denn das würde sehr unübersichtlich werden.

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