Ausstellung: Ingrid Jörg – Malen mit Faden

24. Januar bis 5. März 2022 in der
Frankfurter Büchergilde-Buchhandlung & Galerie
Mo – Fr 10.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 17.00 Uhr

Für diese Ausstellung müssten Sie bitte mal das meiste, was Sie gewohnt sind, über Kunst zu denken, für einen Moment vergessen. Ich habe auch keinen richtigen Begriff für diese Arbeiten, die ich Ihnen jetzt vorstelle, ich weiß nur: Es sind absolut beeindruckende Bilder. Und sie wurden noch nie öffentlich gezeigt. Entstanden sind sie in den Jahren 2010 bis 2013.

2009 starb Ingrid Jörgs Mann Wolfgang, mit dem zusammen sie seit 1965 die Berliner Handpresse betrieben hatte, eine der renommiertesten Adressen für originalgrafischen Pressendruck im Nachkriegsdeutschland. Die Ehe hatte sich schon länger auf eine Produktionsgemeinschaft reduziert, die hauptsächlich aus der Arbeit an der Druckpresse bestand. Die meisten der von den beiden gemeinsam geschaffenen Bücher waren mit mindestens sechs Orig.-Farblinolschnitten à fünf bis sieben Farben illustriert und erschienen in einer Auflage von 300 Exemplaren: Für jedes Buch mussten also durchschnittlich 36 Linolplatten geschnitten und diese in unvorstellbaren 10.800 Druckdurchgängen gedruckt werden. Da gab es weder Sonn- noch Feiertage.

Mit dem Tod von Wolfgang Jörg hörte all das schlagartig auf, allein konnte Ingrid Jörg die Druckwerkstatt nicht halten und musste sie auflösen. Gleichzeitig pflegte sie den schwer erkrankten Lebensgefährten, mit dem sie seit einigen Jahren zusammenlebte. In dieser Ausnahmesituation, ohne die seit 45 Jahren den Lebensrhythmus dominierende Druckpresse und mit der seelischen Belastung der Pflege setzte sich Jörg wie im Märchen mit einem Stickrahmen ans Fenster und stickte drei Jahre lang Bilder – nur dass es sich im Märchen sicher kaum um Formate von z.B. 50 x 110 cm gehandelt hat. Die Motive dieser Bilder bezog sie aus den Linolschnitten ihrer eigenen Bücher, vor allem aus Franz Hohlers "Drei Gärtner", Felicitas Hoppes "Die Reise nach Java" und Susanne Merrems "Zugo oder Gauner in Krawinkel: aus dem Leben eines faulen Vogels"...

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Im Kabinett:
Claudia Berg – Der Paris-Zyklus

Aus Anlass des Hans-Meid-Preises

In der Würdigung der unabhängigen Jury dieses renommiertesten Buchkunstpreises Deutschlands heißt es zu den Radierungen von Claudia Berg u.a.:

„Menschenleere Landschaften, sparsame Stillleben und Bildnisse sind die Themen ihrer Zeichnungen und Kaltnadelradierungen, die trotz ihres Realismus jede Schärfe vermeiden. Stattdessen erfüllt ein weiches Sfumato die Kompositionen, so dass das Atmosphärische greifbar zu werden und sich das Dargestellte sanft zu entziehen scheint. Claudia Bergs Grafiken oszillieren zwischen Enthüllen und Verbergen, sie erzählen Geschichten, deren Narrativ verborgen bleibt, aber die Phantasie inspirieren.“ Dem ist nichts hinzuzufügen – außer Bildern.

Seit 2016 hat die Künstlerin bei jährlichen Besuchen der Stadt Paris jeweils direkt vor Ort ihre Eindrücke in die mitgebrachten Kupferplatten gekratzt, eine Arbeitsweise, die wir Ihnen ja schon bei den Landschaftsradierungen Bergs vorgestellt haben. Die radierten Rohfassungen bearbeitet sie dann im Atelier weiter – wobei es sein kann, dass von der ursprünglichen Form im Endergebnis nur noch wenig zu sehen ist. Nun hat sie den Zyklus aus 13 Radierungen abgeschlossen, wobei ihr die durch Corona erzwungene Ausstellungs- und Messe-Pause zugutekam.

ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

Der Namensgeber des Preises: Hans Meid

Hans Meid, 1883 in Pforzheim geboren, besuchte ab 1900 die Karlsruher Kunstakademie. 1907/08 war er in der Meißner Porzellanmanufaktur als Entwerfer tätig. Danach arbeitete er in Berlin erfolgreich als freischaffender Künstler: 1910 Villa-Romana-Preis, 1911 Mitglied der Berliner Secession, 1919 Dozent für Radierung an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Ab 1927 war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1948 – 1951 unterrichtete er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Meid war dem Impressionismus verpflichtet und schuf vor allem Radierungen. Sein Werk umfasst eine Vielzahl von Illustrationen zu Werken der Weltliteratur wie Cervantes' "Don Quijote" und Goethes "Wahlverwandtschaften". Auf Vermittlung von Theodor Heuss konnte Meid im Schloss Ludwigsburg wohnen, wo er 1957 starb.

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Vom Ende einer grafischen Drucktechnik:
Die Leipziger Druckerei Hensel schließt

Es gibt sie erst seit den 1960er-Jahren – die oft mit dem irreführenden Namen „Offset-Lithografie“ bezeichnete Flachdruckgrafik (Lithos = griech.: der Stein, aber den gibt‘s hier ja nicht), deren Blüte mit dem Siegeszug der Rotationsdruckmaschinen begann: Eine dünne, lichtempfindlich beschichtete Alu-Druckplatte, auf die von einem Film Bild und Text belichtet werden können, wird auf einen großen Zylinder gespannt, der erst über ein Farbwerk läuft und dann die Farbe auf einen anderen Zylinder, eine große Gummiwalze abgibt, die das Ganze dann wieder seitenrichtig aufs Papier druckt. (Offset von englisch set off ‚absetzen‘ im Sinne von ‚übertragen‘)

Nun ist mit der Digitalisierung der nächste technische Quantensprung da, er löst zwar das Offsetverfahren noch nicht komplett ab, weil vor allem bei höheren Auflagen der Digitaldruck noch teurer ist, aber es gibt praktisch keine Druckerei mehr, die Druckplatten von von Künstlern gezeichneten Filmen belichtet – die Vorlagen kommen jetzt als Dateien.

Eine der letzten Druckereien, die noch belichten konnte und zudem die Mühe auf sich genommen hat, nach dem Druck für Künstler in Sonderfarben die Maschinen auseinanderzubauen und für den Normalbetrieb zu reinigen, war die von Jörg Hensel in Leipzig. Er hat in dieser Technik jahrelang für die Büchergilde die „Tollen Hefte“ gedruckt und für den artclub wunderbare Grafiken…

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Eine neue Holzschnitt-Mappe von
Franziska Neubert

Die Künstlerin hat für den Berenberg-Verlag das Buch von Eliot Weinberger „Die Sterne“ illustriert, und was im Buch reproduziert ist, Holzschnitt-Illustrationen, das gibt es von der Künstlerin jetzt als Mappe mit den Originalen. Die Frankfurter Rundschau lobte: „Ein Gedicht in einem einzigen großen, funkelnden, unangestrengten Schwung, in dem die Liebe zu den Sternen steckt, zu den Menschen und zur Kultur […] Die jetzige, zweisprachige Ausgabe illustrierte Franziska Neubert mit Nachtbildern als Augenweide.“

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Vergriffene Büchergilde-Vorzugsausgaben

Das war jetzt ein etwas unglückliches Zusammentreffen, dass im aktuellen Büchergilde Magazin nicht nur die Grafiken des artclubs nicht mehr publiziert sind, sondern es in diesem Quartal auch keine Vorzugsausgabe eines illustrierten Buches gibt. Aber keine Sorge, die Büchergilde führt diese Kultur weiter, dass es zu einem illustrierten Buch auch eine kleine Auflage mit einer vom illustrierenden Künstler geschaffenen, signierten Originalgrafik gibt – sozusagen eine auratische Erweiterung der reproduzierten Kunst. Und weil es in diesem Quartal eben keine neue Vorzugsausgabe gibt, habe ich mal in unserer großen Schrankvitrine nachgesehen, was da für Ausgaben stehen, die schon lange vergriffen sind, die aber bislang tw. nicht mal den Weg auf unsere Website gefunden haben. Es gibt leider meist nur ein oder zwei Exemplare…

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Vergriffenene Büchergilde-Vorzugsausgaben: Die erste
Preisträgerin des Bücher-gilde-Gestalterpreises:

Friederike Bußejahn/Oscar Wilde – Das Bild des Dorian Gray

Friederike Bußejahn (*1969 in Neustrelitz) war die erste Preisträgerin des nach unserem Management Buy Out 1998 neu geschaffenen Gestalterpreises der Büchergilde, der jeweils in einer Hochschul-Klasse ausgeschrieben wird. Hier war es die Fachhochschule für Gestaltung Hamburg. Der dort ebenfalls studierende Felix Scheinberger war seinerzeit zweiter Preisträger, bekam aber von der Büchergilde dennoch einen Illustrationsauftrag. Der Gestalterpreis wird nach wie vor alle zwei Jahre verliehen. Hier ein Überblick über die Preisträger/innen:

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Die Leipziger Buchmesse findet wie geplant vom
17. bis 20. März statt!

Das genaue Hygienekonzept wird nach den Vorgaben der sächsischen Landes-regierung am 7. Februar bekanntgegeben.

Signierstunden sind zur Vermeidung von Menschentrauben dieses Jahr nicht gestattet, aber Sie treffen an unserem Messestand ("Frankfurter Grafikbrief" am Marktplatz Druckgrafik, Halle 3) am ganzen Messe-Samstag den Künstler Klaus Süß.

Da es in diesem Jahr keine Arbeit für die Jury des Nachwuchs-
grafikpreises der Messe gab, für die ich sonst tätig bin, was die Messe mit Freikarten für unseren Kunden vergalt, haben wir dieses Jahr leider keine Freikarten.

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Deutsch-Niederländische Grafikbörse Borken
ist auf 27. bis 29. Mai 2022 verschoben

(statt, wie geplant, 4. - 6. März 2022)

Kurz nach Redaktionsschluss unseres papierenen Grafikbriefs kam die Nachricht aus Borken, dass die traditionsreiche Grafikbörse auf das letzte Mai-Wochenende verschoben ist. Das macht eine Reise ins Münsterland ja noch attraktiver. Allerdings überschneidet sich der Termin leider mit dem der Mainzer Minipressen-Messe.

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