Ausstellung:
Julia Weck - Die ganze Fülle

15. September bis 15. November 2021 in der Frankfurter Büchergilde-Buchhandlung & Galerie
Mo – Fr 10.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 17.00 Uhr

Julia Wecks Leben und ihr künstlerischer Werdegang sind geprägt von einer Kindheit in der DDR und einem Aufbruch als Studentin und Künstlerin im gerade erst wieder vereinten Deutschland. Vielen Westdeutschen ist wahrscheinlich unbekannt, dass es in der DDR eine sehr basisorientierte Kulturaffinität im Alltag gab. Im Falle Julia Wecks, deren Familie nach ihrer Geburt in Halle an der Saale (1975) in die Bauhausstadt Dessau zog, war es ein Kunstzirkelangebot für Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule, in dem sie von der Grundschule bis zum Abitur allwöchentlich in Zeichnen nach Natur und Modell, aber auch allen druckgrafischen Techniken unterrichtet wurde, teilweise von bekannten Künstlern in deren Ateliers. Eine Chance, die zu nutzen sie kein einziges Mal versäumte.

Die zeichnerische und malerische Begabung lag schon in der Familie, Großvater und Urgroßvater hatten aber der möglicherweise brotlosen Kunst nicht getraut und lieber auf den goldenen Boden des Malerhandwerk gesetzt. Bei ihrem Vater, einem begeisterten Fotografen mit eigener Dunkelkammer, erlernte sie schon als Kind, wie man eigene Fotoabzüge erstellt und welche chemischen Prozesse dabei ablaufen.

Dass sie 1994, von ihrer Familie darin sehr unterstützt, ein Studium der Gestaltung an dem eben erst neu eröffneten Fachbereich Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar aufnahm, erwies sich für sie als absoluter Glücksfall: Alle Werkstätten waren funkelnagelneu und luden ein zur Arbeit mit Holz ebenso wie mit Fotografie und (analogem) Video. Restriktionen, Eingrenzungen gab es nicht, Spezialisierung war nicht gefragt, vielmehr wurden die Studenten zu konzeptionellem, fächerübergreifendem Denken und Arbeiten ermutigt. Das Lehrpersonal war international, westdeutsche Kommilitonen Vorbilder für das „Nicht ganz so brav sein“, das die DDR-Kids so noch nicht kannten...

ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

Ausstellung im Kabinett:
Künstler-Handpressen

Dazu gibt es keine Übersichtseite, man kommt zu den Künstler-Handpressen jeweils über die Links hier unten drunter

Anfang des Jahres haben wir Ihnen „Pressendrucke aus Verlegerhand“ vorgestellt, danach pars pro toto noch mal in großem Überblick die burgart presse von Jens Henkel aus Rudolstadt. Während sich hier ein Verleger einen Text aussucht und dann den seiner Meinung nach dazu „passenden“ Künstler, wodurch ein Verlagsprogramm mit den unterschiedlichsten künstlerischen Handschriften entsteht, ist es bei Drucken der Künstler-Handpresse fast immer die Bildsprache des namensgebenden Künstlers, der sich jeweils selbst die Texte sucht, die ihm liegen und die er mit großem Aufwand in Form eines komplett handgefertigten Buches würdigen will. Der Künstler ist hier Verleger, Illustrator, Drucker, Marketing- und Vertriebschef in einer Person. Meist sucht er nur für das Binden der Bücher von Hand den gewieften Meister, manchmal auch den ausbildeten Setzer für das Schriftbild im Bleisatz.
Es sind vor allem Künstler, deren bildnerisches Werk sich vornehmlich im Dialog mit literarischen Gegenübern entwickelt, die ihrem Schaffen das Siegel einer eigenen Handpresse verleihen und damit auch ausdrücken, dass sie die Verantwortung für das gesamte Buchprojekt tragen. Sie verfügen über eine eigene Druckpresse. Wenn man bedenkt, dass das Bedienen einer Druckpresse schwere körperliche Arbeit ist, staunt man: Es gibt ebenso viele Künstlerinnen wie männliche Künstler, deren Werk im Rahmen der eigenen Druckpresse entstanden ist. wie z.B. die hier nicht mit Büchern vertretene Ramin Presse von Roswitha Quadflieg oder Sabine Goldes Carivari.

Svato Zapletal –
Der Svato Verlag

1946 in Prag geboren, legte Zapletal 1964 das Fachabitur ab, um dann als Maschinenbautechniker, Beifahrer und beim Zirkus zu arbeiten. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei 1968 emigrierte Zapletal nach Westdeutschland und studierte in Hamburg u.a. Malerei bei dem Bauhaus-Schüler Hans Thiemann und Typografie und Schriftgrafik bei Gerhard Rühm. Bereits 1975 erschien sein erstes originalgrafisches Buch, ein Jahr später gab er seiner künstlerischen Zukunft die organisatorische Form des Svato Verlags, in dem seither 79 Pressendrucke erschienen sind. 2017 wurde Zapletal mit dem V.O. Stomps-Preis der Stadt Mainz ausgezeichnet.

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Elfriede Weidenhaus‘ Zikaden Presse

Elfriede Weidenhaus (*1931 in Berlin) gründete 1959 die Zikaden Presse. Sie studierte von 1947 bis 1950 bei Max Schwimmer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 1953 arbeitete sie als freischaffende Künstlerin und hat mehr als 50 Bücher illustriert. In der Zikaden Presse hat sie vor allem Texte aus der klassischen griechischen Literatur verlegt. Sie lebt auf Schwäbischen Alb

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Peter Renschs
ANDANTE Handpresse

Peter Rensch wurde 1956 in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte er 1974 – 76 eine Schriftsetzerlehre, parallel besuchte er Zeichenkurse bei Wolfgang Leber. 1978 – 81 schloss sich ein Typografiestudium an. Ab 1983 arbeitete Rensch als freischaffender Künstler und Typograf. Nachdem er 1984 einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt hatte, wurde er mit einem Ausstellungsverbot belegt und schlug sich u.a. als Kartenabreißer beim Deutschen Theater durch.

Nach der Ausreise aus der DDR 1987 arbeitete Rensch für die Westberliner Handpresse Gutsch, hier entstanden ab 1988 auch erste eigene Handpressendrucke. 1990 gründete er zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Inga Rensch (1966 – 2010) die ANDANTE Handpresse. Seit 2007 betreibt der Künstler in Berlin-Friedrichshagen eine Druckwerkstattgalerie. Peter Rensch gräbt häufig Texte vergessener Autoren des deutschen Expressionismus aus, seine Bücher sind auch literarische Fundgruben.

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Frank Eißner Handpresse

Eißner, 1959 in Leipzig geboren, erlernte zunächst den Beruf eines Lithografen, dies auch im Hinblick auf das angestrebte Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Vor diesem sammelte Eißner in mehreren Druckereien Berufserfahrung, die ihm das Selbstvertrauen verschaffte, dass er seinen künstlerischen Anspruch auch an einer Druck-Presse realisieren könne. Er studierte von 1984 – 1989 bei Prof. Rolf Kuhrt und gründete direkt nach Abschluss des Studiums seine Frank Eißner Handpresse in Leipzig, was vor allem bedeutete, dass er über Bleisatzlettern und eine Hochdruckpresse verfügte und sein künstlerisches Werk an der Literatur orientieren wollte. Man mag bei einem Preis von 1800 Euro für ein Buch schlucken, aber wenn man die durchgehend im Farbholzschnitt gestalteten großformatigen Seiten mit echtem Büttenrand z.B. von „Judith und Holfernes“ durchblättert, überkommt einen Seltenes: Ehrfurcht vor dem Buch!

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Die Sonnenberg Presse / Andrea Lange

Im Jahre 1998 verwandelte sich ein kleiner Werkstattraum auf dem Sonnenberg, einem Stadtteilhügel in Chemnitz, durch den Kauf von zwei Zylinderandruckpressen und diversem Bleisatzmaterial in die Druckwerkstatt von Andrea Lange (*1970 in Dresden) und Bettina Haller (*1971 in Chemnitz), die sie nüchtern nach ihrem Standort benannten – während den Ortsunkundigen eine angenehme Vorstellung von Wärme und Licht beim Hören des Namens durchflutet.

Es entstehen fortan originalgrafische Bücher, Kalender, Einblattdrucke und Grafiken. Als Andrea Lange 2001 in das 155 km entfernte Kemberg umzog, wurde die Arbeit an eigenen und gemeinsamen Projekten in räumlich getrennten Werkstätten fortgesetzt. Seit 2004 ist auch die Chemnitzer Autorin und Holzschneiderin Birgit Reichert mit von der Sonnenberg-Partie. 2015 wurde die Sonnenberg Presse mit dem V.O. Stomps-Preis der Stadt Mainz ausgezeichnet.

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Die Berliner Handpresse

1961 gründeten die beiden Kunststudenten Wolfgang Jörg (1934 – 2009) und Erich Schönig (1935 – 1989) in West-Berlin die „künstlerische Arbeitsgemeinschaft“ Berliner Handpresse. Das erste Buch, „An die Herrschaften im 5. Stock. Briefe von ***“ war mit zehn Orig.-Farbholzschnitten versehen. Die vielen Holzplatten für die Druckstöcke waren im Verhältnis zum Buchpreis zu teuer, die Künstler stiegen auf den Linolschnitt um und blieben dabei. 1965 stieß die in West-Berlin Kunst studierende Brandenburgerin Ingrid Jörg (*1935) zum Team. Aus ihrem Besitz stammen unsere verlagsfrischen Bücher, u.a. von der aktuell auf der Longlist des Deutschen Buchpreises vertretenen Georg-Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe, die mit der Berliner Handpresse eng verbunden ist und zahlreiche Texte dort als Pressendrucke erstveröffentlicht hat.

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Matthias Gubigs Spätdrucke

Erst hat er Studenten beigebracht, wie man Bücher gestaltet, dann hat er’s ihnen vorgemacht: Die mehr als 20 Pressen(Spät)drucke, von denen jeder eine andere Innovation brachte, lassen sich wohl dermaleinst als Lehrbuch der Buchkunstmöglichkeiten zusammenfassen. Gubig wurde 1942 in Dresden geboren, ist gelernter Buchdrucker und Schriftsetzer, studierte Typografie und war von 1992 bis 2007 Professor für Gebrauchsgrafik und Typografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

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Der Tabor Grafikkalender 2022

Moritz Götze, Linde Bischof, Claas Gutsche, Caro Suerkemper, Barabara Luedde, Eva Raeder, Anina Brisolla, Ruprecht v. Kaufmann, Pius Fox, Britta Lumer, Fritz Poppenberg, Christian Hellmich.

Der Grafikkalender für ein kunstgenüssliches Jahr 2022 bietet wieder eine wunderbare Mischung aus Arbeiten bekannter und junger Künstlerinnen und Künstler, und zwar von je sechs weiblichen und sechs männlichen. Es gibt auch wieder eine Bonusgrafik zum Kalender, die Bedingungen zur Erlangung des Vorzugspreises sind gelockert: Statt bisher für den Kauf von zwei Kalendern nacheinander belohnt zu werden, hat jetzt, solange der Vorrat reicht, jede/r Kalenderkäufer/in die Option auf den Bonuspreis, es gibt freilich nur 50 Exemplare.

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Michael Faber – Festschrift zum 60. Geburtstag

Am 17. August 1961, genau 4 Tage, nachdem in Berlin eine monumentale Mauer gebaut wurde, erblickte in Leipzig Michael Faber das Licht der Welt. 1990 avancierte er im zarten Alter von 29 Jahren zum Verleger, zusammen mit seinem Vater Elmar, dem früheren Verleger des Aufbau-Verlages, gründete er den Verlag Faber & Faber, der für etliche Höhepunkte deutscher Buchkunst sorgte. 2009 scherte er aus dem Familienunternehmen aus und war bis 2016 Kulturbürgermeister seiner Heimatstadt Leipzig. Sein Vater Elmar hatte 2011 im Alter von 75 Jahren den Verlag auf Stand-by gestellt, Michael nach seiner Rückkehr aus der Politik 2017 den Stab wieder aufgenommen und es ist ihm gelungen, Faber & Faber zu alter Größe zurückzuführen.

Zu seinem 60. Geburtstag ist eine opulente Festschrift von 104 Seiten erschienen, mit zahlreichen Beiträgen von Künstlern und Autoren, faksimilierten Briefen, Bildern und Essays usw., im Format der „Graphischen Bücher“, die von einer Mappe mit 6 Orig.-Grafiken begleitet wird. Die künstlerischen Laudatoren sind Balwin Zettl, Jan Peter Tripp, Madeleine Heublein, Olaf Martens, Sighard Gille und Klaus Waschk, die Auflage beträgt 25 Exemplare, von denen genau 2 (zwei!) Exemplare in den Handel kommen, und „der Handel“: Voila, das sind wir!

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Neues und Vergriffenes aus dem Verlag Faber & Faber

Ende September erscheint Francis Bacon – "Über die Dreistigkeit, über den Argwohn und über die Prahlerei", illustriert von einem der "Väter" der neuen Leipziger Malschule, Sighard Gille, leider haben wir dazu noch kein Bildmaterial.

Dann haben wir von zweien der zur legendären Buchreihe "Graphische Bücher - Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhundert" erscheinenden Supplemente mit je 10 org.-grafischen Autorenportraits, die schon lange vergriffen sind, je ein makelloses Exemplar...

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Klaus Süß am 21.9.21 unglaubliche 70

Über den Ausnahmekünstler Klaus Süß an dieser Stelle viele Worte zu verlieren, verbietet sich fast, das Werk steht für sich selbst, und wir haben zuletzt 2020 eine fulminante Ausstellung mit den neuesten Arbeiten des Künstlers hier präsentiert. Zum runden Geburtstag kann ich Ihnen zu meiner großen Freude meine Lieblingsmappe „Stühle“ von Klaus Süß präsentieren, die kurz nach der „Wende“ 1991 entstand und von der ich kürzlich zu meiner Überraschung ein Exemplar in Süß‘ Atelier fand.

Die sechs Akte auf Stühlen sind von der Figuration kraftvoll spätexpressionistisch, die Farbgebung aber fast schmerzhaft schön in ihren ungewohnten Kontrasten, und auf unserer Internetseite habe ich von zwei Grafiken auch die Rückseiten abgebildet, weil die dort sichtbaren Arbeitsspuren mehr sagen als viele Worte.

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Henning Wagenbreth macht‘s sträwkcür

Haben Sie mal in jungen Jahren einen Hasen totgefahren? Oder haben Sie etwas studiert, was Sie gar nicht interessiert? Es gibt eine zweite Chance! Henning Wagenbreth dreht im „Rückwärtsland“ die Zeit zurück und man kann dann all die Sachen noch einmal und besser machen. Er wechselt die Richtung beim Vokabular (Ralubakov) und dreht die Logik des Alltags auf links: In der Zeitung kann man lesen, was am nächsten Tag passieren wird, welche Autos kollidieren, wo ein Gastank explodieren wird. Passt für Kinder und auch als Phantasie für alle anderen

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Ein Pressendruck mit „fliegender Grafik“

"Aus den Sternen gestürzt… “, so nannte der Dramatiker und Lyriker Klabund (1890 – 1928) den Ort eines Rekonvaleszenz-Aufenthalts im Sommer 1926, das Gut Zeesen des Bankiers Dr. Goldschmidt, eines uneigennützigen Mäzens, der in den Zwanzigerjahren Schriftsteller wie Carl Zuckmayer, aber eben auch den tuberkulosekranken Klabund auf sein Gut zur „Sommerfrische“ einlud.

Klabund verlebte zusammen mit der Schauspielerin Carola Neher, mit der er seit einem Jahr verheiratet war, einen sehr frohen Monat in Zeesen und schrieb ein übermütiges Langgedicht, das er seinem Mäzen widmete. Der Verleger Klaus Brodhun hat diese Ode der Lebensfreude als Pressendruck neu aufgelegt und die 8 Orig.-Linolschnitte der Künstlerin Heide Kathrein Schmiedel (*1952 in Kleinmachnow) jeweils zu den Textstellen lose ins Buch eingelegt.

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