gezeichnet:
Bele Bachem, Angela Hampel, Regina Ouhrabka, Nadine Respondek, Elfriede Weidenhaus, Dagmar Zemke

Ausstellung
22. August bis 1. Oktober 2022 in der
Frankfurter Büchergilde-Buchhandlung & Galerie
Mo – Fr 10.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 17.00 Uhr

Normalerweise zeigen wir in unseren Ausstellungen schwerpunktmäßig Druckgrafik, ein klar umrissenes künstlerisches Genre. Die in diesem Metier tätigen Künstler/innen müssen neben dem zeichnerischen Talent auch Kenntnisse und Fähigkeiten in der Bearbeitung von Druckträgern wie Kupferplatte, Lithografie-Stein oder Holzstock mitbringen sowie ggfs. wissen, wie sich übereinander gedruckte Farben zu neuen Tönen vermischen.

Diese Ausstellung mit Handzeichnungen von sechs Künstlerinnen, die alle auch ein bedeutendes druckgrafisches Werk geschaffen haben, ist daher die berühmte Ausnahme, die die Regel vielleicht noch deutlicher konturiert. Warum gerade diese? Es sind Künstlerinnen aus drei Generationen und sehr unterschiedlichen west- und ostdeutschen künstlerischen Milieus, im Zusammenklang ergibt sich eine Ausstellung von wunderbarer Vielfalt!

Eine Zeichnung ist ein Bild, das seine Wirkung im Wesentlichen durch Linien und Striche erzielt – im Gegensatz zur Malerei, die Flächen gestaltet...

Durch Klicken auf das Bild kommen Sie zum ganzen Text zum Thema Zeichnung, über die beteiligten Künstlerinnen lesen Sie mehr unter deren Namen.

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gezeichnet: Bele Bachem

„Die wilden Siebziger“ hieß eine Gruppenausstellung im badischen Landesmuseum Karlsruhe 2021, in der auch Arbeiten von Bele Bachem zu sehen waren, aber die könnten auch in Ausstellungen mit den Titeln „Die wilden Fünfziger“, „Die wilden Sechziger“ oder auch „Anstößige Kunst von Anfang bis Ende“ hängen. Die Nazis wussten schon, mit wem sie es zu tun hatten, als sie der gerade 22-jährigen Künstlerin 1938 „jede Veröffentlichung“ untersagten.

Die 1916 in eine renommierte Verlegerfamilie in Düsseldorf geborene Bele Bachem studierte in Berlin und ging nach dem Krieg nach München, wo sie schnell zu einer Ikone der lebenslustigen Schwabinger Boheme avancierte. 1952 wurde ihr der Toulouse-Lautrec-Preis der Stadt Paris verliehen. Die Wochenzeitschrift Der Spiegel widmete ihr 1955 eine Titelseite und zählte sie mit Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Käthe Kollwitz und Ida Kerkovius zu den bedeutendsten deutschen Malerinnen. Mit unbändiger Energie ausgestattet, ist Bele Bachem Malerin, Zeichnerin, Druckgrafikerin, Bühnen- und Kostümbildnerin, Filmausstatterin, Plakatentwerferin, Keramikerin, Bildhauerin und Autorin sowie Illustratorin von über hundert eigenen und anderen Büchern...

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gezeichnet: Angela Hampel

Besuch der aktuellen Retrospektive von Angela Hampel in der Städtischen Galerie in Dresden (noch bis zum 11. Septem-ber!), und einem bleibt der Mund offen stehen: Von dieser Künstlerin gibt es kein einziges banales Bild! Eine derartig inten-sive Aura von Suche nach Wahrhaftigkeit habe ich selten in einer Ausstellung verspürt. Man geht kreuz und quer durch die Räume, muss immer wieder noch mal zurück zu diesem oder zu jenem Bild, und begreift doch manches erst nach der Lektüre des ausgezeichneten Kataloges (Kerber Verlag, EUR 44.-) mit den Beiträgen der amerikanischen Kunsthistorikerin April A. Eisman, die auch Ko-Kuratorin dieser Ausstellung ist. Die nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung dieser an der Iowa State University forschenden Professorin ermöglicht tiefen Einblick in die Ernsthaftigkeit und das Ringen der Künstlerin um Erkenntnis.

Hampel (*1956 in Räckelwitz), die seit Mitte der Achtzigerjahre an Ausstellungen in Ost- und Westdeutschland beteiligt war, wurde aus westlicher Sicht oft als Ost-Pendant zu den „Jungen Wilden“ bezeichnet. Das wird ihr angesichts der gesellschaftlichen Spannungen, unter denen sie ihr Werk entwickelte und präsentierte, überhaupt nicht gerecht...

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gezeichnet:
Regina Ouhrabka

An Prominenz kann Regina Ouhrabka es nicht mit Bele Bachem und Angela Hampel aufnehmen, sehr wohl jedoch an Eigensinn – in der Bedeutung von „eigener Sinn“. Arbeiten nach den Regeln des Kunstmark-tes und das Prägen einer leicht wieder-erkennbaren Marke hält sie für kunstfernes Tun: „Ich arbeite puristisch, karg und schmucklos. Bescheidenheit im Material, weg vom Maßlosen, weg vom Makellosen, weg vom stetigen Auswalzen des einmal für „schön Empfundenen“, weg vom Sehgewohntem.

Der nackte Körper als Hülle, als Zeichen der Vergänglichkeit. Die menschlichen Organe, Maschinen zur Lebenserhaltung. Das Wunder der Fruchtbarkeit von Mann und Frau. (…) Kunst ist Hoffnung, zeigt, lehrt, tröstet, tut Gutes (Sinn).“

Die Künstlerin hat sich am Beginn ihrer Tätigkeit intensiv mit Schriftkunst auseinandergesetzt und ist im Lauf ihres Künstlerinnenlebens über den Buchstaben zur Figur gekommen. Nach jahrelanger Konzentration auf die schwarze Linie beschäftigt sie sich jetzt mit an mittelalterlicher Sakralkunst geschulten Farbstiftzeichnungen, die oft ins Fantastische gehen.

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gezeichnet:
Nadine Respondek

Nadine Respondek, 1976 in Potsdam geboren, studierte von 1998 bis 2004 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, anschließend war sie dort bis 2007 Meisterschülerin bei Professor Ulrich Hachulla. Neben der Auseinandersetzung mit den grafischen Drucktechniken Radierung, Holz- und Linolschnitt sowie Lithografie ist die Zeichnung zur Literatur Hauptbestandteil ihres künstlerischen Schaffens. Es entstanden Grafiken und Illustrationen in Form von Mappen und Büchern zu Texten u.a. von Georg Büchner, Michail Bulgakow, Jan Neruda und Heinrich von Kleist.

2006 wurde gleich ihr erstes illustriertes Buch "Der Star des Herrn Liebelt" von Jan Neruda von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet, 2007 bekam sie den Förderpreis für Buchillustration der Hans-Meid-Stiftung zugesprochen. Für die Büchergilde illustrierte sie Fjodor Dostojewskis "Der ewige Ehemann" mit eindrucksvollen Farbstiftzeichnungen. Sie ist Mitbegründerin und Mitglied der Leipziger Künstlerinnen-Gruppe augen:falter und leitet die Druckwerkstatt Werk 2 in Leipzig.

Wir zeigen Nadine Respondeks Arbeiten beispielhaft für eine junge Generation von vorwiegend an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ausgebildeten Künstlerinnen, die neue Impulse in die früheren Männerdomänen Buchillustration und Druckgrafik gebracht haben.

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gezeichnet:
Elfriede Weidenhaus

Elfriede Weidenhaus, 1931 in Berlin geboren, gehört zu den wenigen Frauen ihrer Generation in der deutschen Druckgrafik und Buchkunst. Weidenhaus studierte von 1947 bis 1950 bei Max Schwimmer an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von 1953 bis 1990 arbeitete sie als freischaffende Malerin und Grafikerin in Stuttgart, seit 1991 in einem kleinen Ort im Biosphärenreservat Schwäbische Alb.

Weidenhaus hat mehr als 50 Bücher illustriert. 1959 gründete sie die Zikadenpresse, in der sie vor allem Texte aus der klassischen griechischen Literatur verlegte, die von ihr üppig illustriert wurden, neben zahlreichen Zeichnungen immer auch mit Originalradierungen.

Weidenhaus ist aber natürlich auch Zeichnerin, wie sonst sollten Bücher illustriert werden, hat dieses Genre aber eher selten in Ausstellungen gezeigt. Wir haben für unsere Ausstellung "gezeichnet" von ihr Stadt- und Landschafts-Federzeichnungen aus den 1960er-Jahren bekommen, die sie tatsächlich plein air gezeichnet hat - noch heute hallen ihr die manchmal wenig amüsanten Kommentare der Kiebitze im Ohr...

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gezeichnet:
Dagmar Zemke

Als sie 1958 in Chemnitz, wo sie auch heute wieder lebt, geboren wurde, hieß die Stadt noch Karl-Marx-Stadt, und die sich in dieser Doppelnamigkeit spiegelnde Spannung hatte mächtigen Einfluss auf die Künstlerinnenlaufbahn: Den begehrten Studienplatz an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (u.a. bei Werner Klemke), den die talentierte Bewerberin sich erobert hatte, verlor sie wieder, als ihr Vater wegen staatsfeindlicher Äußerungen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Da war gerade ihr erstes Kind unterwegs. Nur ein Jahr später, mit 23 Jahren, war sie schon Witwe, weil ihr Mann bei einem nicht näher geklärten Betriebsunfall ums Leben kam.

Als ihr nach vielen Jahren die Ausreise aus der DDR in die Nähe ihrer nach Westdeutschland umgesiedelten Eltern ermöglicht wurde, hatte sie schon allein die Verantwortung für drei Kinder, das ergab klare Prioritäten – die nicht nur alleinerziehende Künstlerinnen betreffen. Die zeitweise Lebensgemeinschaft mit dem Künstler Klaus Süß Ende der 1990er-Jahre erleichterte ihr den Wiedereinstieg in die künstlerische Arbeit, als die Kinder größer waren. Künstlerin oder Künstler ist, wer gar nicht anders kann, das ist meine feste Überzeugung und das zeigt sich eben auch am Beispiel Dagmar Zemkes...

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Matthias Gubigs
22. Spätdruck

„Die Vögel sind Weltbürger.“ Mit diesem Satz regte Alfred Brehm den Buchkünstler zu Vergleichen mit überall zu findenden Weltbürgern in der Menschenwelt an. In Brehms Texten erhielten Erscheinungen und Verhalten der Tiere häufig menschliche Züge, denen Gubig nun eigene Erforschungen zugesellt.

Heitere Wort- und Bildspielereien führten zur Entdeckung neuer Arten, welche „ich hiermit als kleinen Ausgleich zu dem rapide schwindenden Reichtum der natürlichen Arten offeriere“. Der Band entstand als mit farbigen Fälzeln verbundenes Leporello, ist jedoch wie ein normales Buch mit Doppelseiten zu handhaben. In Gänze wäre es auf eine Länge von reichlich 8?m zu entfalten.

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Die Künstler-Vorzugsausgabe

Teil 1

Vorzugsausgaben nennt man die meist sehr kleinen Teilauflagen illustrierter Bücher, denen eine Originalgrafik des Künstlers oder der Künstlerin beigelegt wird, die die Illustrationen für das Buch geschaffen haben. So bekommt ein an sich in hoher Auflage gedrucktes Buch den Status eines relativ raren Kunstwerks und einer persönlichen Brücke zwischen Künstler und Leser oder Betrachter. Die beigelegte Grafik ist nicht identisch mit einer der Illustrationen, diese sind ja reproduziert, die Grafik aber ein Original.

Künstler erhalten zusätzlich zum Illustrationshonorar Belegexemplare ihrer Bücher. Illustrationshonorare sind leider meist recht niedrig, stehen in keinem Verhältnis zur aufwändigen, meist monatelangen Arbeit. So bietet der Künstler diese auch selbständig als Vorzugsausgabe an: Manchmal ist es das Buch mit einer der Originalzeichnungen, manchmal gibt es eine neue serielle Zeichnung, die sich an eine Illustration anlehnt, manchmal ist es eine Druckgrafik in kleiner Auflage, die beigelegt wird. In der Regel liefern die Künstler keine Buchschuber; das ist Buchbinder-Handarbeit, die schnell den Ertrag aufzehrt.

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Ein neuer Katalog von Claudia Berg:

Die Ewigkeit im Augenblick

Ein Katalog ist ja für einen Künstler immer die Möglichkeit von Resümee und Ausblick, und so ist es auch mit diesem: Dem meist landschaftlichen Sujet angemessen, erscheint er im Querformat und versammelt einerseits grafische Zyklen, die vor allem auf den Italienreisen Bergs entstanden sind, zum anderen gibt er erstmals Einblick in das zeichnerische und malerische Werk der Künstlerin, das in letzter Zeit entstanden ist. Vor allem ihr Umgang mit der Farbe wird viele überraschen, die bisher nur das – bei ihr natürlich unglaublich nuancenreiche – Schwarz der Kaltnadelradierungen kennen.

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3. Aschaffenburger Buchkunstsalon

21. bis 23. Oktober 2022

Vom 21. bis 23. Oktober 2022 treffen Sie uns auf dem 3. Aschaffenburger Buchkunstsalon, veranstaltet von der Edition Künstlertreff und den Künstlern Frank Eißner und Susanne Theumer.

Der Termin liegt parallel zur Frankfurter Buchmesse, wir glauben aber inzwischen, dass die Buchkunst auf kleinen, persönlichen Märkten besser aufgehoben ist.

Öffnungszeiten und Örtlichkeiten werden im nächsten Grafikbrief und auch hier ergänzt, sowie uns die entsprechenden Informationen zur Verfügung stehen.

Neu in den letzten 14 Tagen

Wir haben einen neuen Service auf grafikbrief.de eingerichtet: Ein Link auf der Startseite "Neu in den letzten 14 Tagen" verschafft Ihnen auf einen Klick eine Übersicht, bei welchen unserer ca. 250 Künstler/inne/n, Druckpressen, Verlage und Themen wir Neues eingestellt haben. Alles, was hier in der Übersicht des aktuellen Grafikbriefs neu ist, findet sich dort nicht, denn das würde sehr unübersichtlich werden.

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