WIR LADEN SIE SEHR HERZLICH EIN ZUR ERÖFFNUNG UNSERER AUSSTELLUNG:
ANNIKA SIEMS – ZEICHNUNGEN ZU GRAHAM GREENE: „DER DRITTE MANN“

IM KABINETT: KLAUS SÜSS – KLEINE MODELLE FÜR GROSSE PLASTIKEN

AM SAMSTAG, 11. AUGUST 2018, 19.30 UHR
KLAUS SÜSS WIRD ANWESEND SEIN


DIE AUSSTELLUNG IST IN DER FRANKFURTER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE (AN DER STAUFENMAUER 9) VOM 11.8. BIS ZUM 26.9.2018 ZU SEHEN IST, MONTAG BIS SAMSTAG, 10.00 BIS 19.00 UHR.

Eigentlich ist ein Buch ja dazu da, dass man ihm eine Geschichte entnimmt. Es gibt aber auch Bücher, deren Entstehungsgeschichte umstände ihrem Inhalt in nichts nachstehen. Ein solches Buch ist Graham Greenes Roman „Der dritte Mann“. Buch? Das war doch ein Film! Mit Orson Welles in der Hauptrolle, dessen Gesicht man nach diesem Film nie mehr vergessen konnte. Und dann diese Zittermusik, die einem immer wieder gruselige Bilder vor das innere Auge zaubert, wenn man sie zufällig im Radio hört. Der einfache Wiener Heurigenmusiker Anton Karas wurde seinerzeit durch sie über Nacht zum Weltstar.

Tatsächlich schrieb Graham Greene zuerst eine skizzenhafte Erzählung als Basis für ein Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Carol Reed ausgefeilt und von diesem verfilmt wurde, dann erst entstand das hier vorliegende Buch, das nicht 1 : 1 dem Film entspricht, denn die Literatur bietet eben doch viel mehr Möglichkeiten als ein zeitlich limitierter Film. 1949 hatte der Film in London Weltpremiere, 1950 erschien das Buch, 1951 beim Züricher Artemis Verlag die deutsche Übersetzung.

Kaum jemand war für die Realisierung der von dem Filmproduzenten Alexander Korda ersonnenen Idee einer düsteren Schwarzhandelsgeschichte im Wien der Nachkriegszeit besser geeignet als der 1904 im britischen Berkhamsted geborene Greene, ein Großneffe des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Greene war während des 2. Weltkrieges in einer Sondermission des britischen Auslandsgeheimdienstes tätig, und viele meinen, dass er diese Tätigkeit zeitlebens fortgeführt habe.

Ironie der Geschichte: 2002 wurde bekannt, dass Greene wegen US-kritischer Bemerkungen, u.a. in dem Roman Der stille Amerikaner (1955) von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod 1991 praktisch durchgehend unter Überwachung durch US-Geheimdienste stand. Greene war, nebenbei bemerkt, der Schriftsteller mit den meisten Literatur-nobelpreis-Nominierungen, ohne ihn jedoch je zuerkannt zu bekommen.

2016 veranlasste der Wiener Zsolnay Verlag eine Neuübersetzung des Romans durch Nikolaus Stingl, und die Büchergilde beschloss, diesen Text als illustriertes Buch zu verlegen. Als Illustratorin wurde die 1984 in der Nähe von Hamburg geborene Annika Siems ausgewählt, die nach dem Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sowie an der École nationale supérieure des arts décoratifs, Paris, als freischaffende Künstlerin arbeitet.
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ZU DEN ARBEITEN DER KÜNSTLERIN

KABINETTAUSSTELLUNG: KLAUS SÜSS –
KLEINE MODELLE FÜR GROSSE PLASTIKEN

Seit Jahren stechen mir bei jedem Besuch in Klaus Süß‘ Chemnitzer Atelier kleine, meist farbig angelegte Plastiken ins Auge, die etwas sehr Leichtes, Unfertiges verströmen.
Dieser Eindruck besteht zu Recht, denn es handelt sich sozusagen um plastische Skizzen, die der Künstler fertigt, um z.B. potentiellen Auftraggebern für größere Plastiken im öffentlichen Raum einen Eindruck von einer Werkidee zu vermitteln, aber auch als Entwürfe für große Plastiken ohne konkreten Auftrag, eine Art dreidimensionales Skizzenbuch also.

Irgendwie hat es lange gedauert, bis ich nach all den Jahren der Faszination auf die Idee gekommen bin, andere an der Schönheit dieser wunderbaren Provisorien teilhaben zu lassen, vermutlich genau deswegen, weil man denkt, ein Kunstwerk ist etwas, das perfekt ist und – fertig. Dabei verschafft ja gerade die Situation, dass der Künstler die Hand frei schweifen lassen kann, weil es beim Ergebnis nicht so darauf ankommt, dass alles sitzt, Raum für das Neue und eine Aura der Ungezwungenheit. (Die Büchergilde hat einmal – bei der Illustration von Franz Kafka „Das Schloß“ – statt der vom Künstler Gunter Böhmer gelieferten Illustrationen das ganze Buch mit dessen Skizzen für diese Zeichnungen gedruckt – und gewann damit 1994 die Silbermedaille im Wettbewerb „Die schönsten Bücher aus aller Welt“).

Die schnelle Skizze, die z.B. auch Skizzenbücher zum begehrten, schwer ergatterbaren Sammel- und Sehnsuchts-objekt macht (was glauben Sie, wie oft mir da das Wasser schon im Mund zusammengelaufen ist, aber nicht jede/r Künstler/in trennt sich von diesen Kleinodien), geht natürlich in der dritten Dimension nicht ganz so flott, wie die Feder über’s Zeichenpapier fliegt. Meist handelt es sich bei den Objekten um aus Pappelplatten ausgesägte Figuren, die reliefartig bearbeitet und dann farbig bemalt sind, auf einfachen Holzsockeln oder Metallständern, manche sind gar aus Pappe...

ZU DEN ARBEITEN DES KÜNSTLERS

KURZER EXKURS ZUR ILLUSTRATION BEREITS VERFILMTER LITERATUR

Wenn man wie die Büchergilde regelmäßig „klassische“ Romane illustrieren lässt, kommt es zwangsläufig zur Konfrontation mit weit verbreiteter visueller Vorprägung des Publikums. Jeder Künstler muss sich, wie Annika Siems oben im Interview-Ausriss auch sagt, mit der Tatsache auseinandersetzen, dass viele Menschen schon Bilder zum Text vor dem inneren Auge haben.

Geradezu genial hatte das Martin Stark in seiner Illustration von Heinrich Manns Professor Unrat gelöst, der lange an seinen Zeichnungen arbeitete, ohne die Gesichter auszufeilen. Erst ganz Schluss abstrahierte er die Figur der Rosa Fröhlich nach ihrem Alter Ego Marlene Dietrich in der berühmten Josef-von-Sternberg-Verfilmung. Diese Formensprache traf auf große Zustimmung, das Buch (Normalausgabe) war im Handumdrehen vergriffen.

Der in London lebende britische Künstler Tom Burns, der für die Büchergilde Scott Fitzgeralds Der große Gatsby illustrierte, arbeitet von Haus aus mit Collagen, die er aus Zeitschriften- und Illustriertenfotos zusammenmontiert. Hier ist es eher dieses spezielle Medium der Illustration, das eine Affinität zum schnellen Filmschnitt hat und auf diese Weise augenzwinkernd auf die Bebilderung des literarischen Stoffs im Medium Film verweist (links: Orig.-Serigrafie der Vorzugsausgabe).

Klaus Süß schließlich schuf mit seiner Holzschnitt-Illustration von Prosper Mérimées Carmen eine vollständig eigenständige Vision dieses Stoffs. Er hatte sich schon als Jugendlicher mit der Novelle auseinandergesetzt und blieb von der in den frühen 80er-Jahren in Westdeutschland das Carmen-Bild prägenden Carlos-Saura-Verfilmung unberührt....

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GÜNTHER STILLER
11. JUNI 1927 BIS
3. JULI 2018

Günther Stiller war ein bescheidener Gigant: Er hat mehr als 20 Bücher für die Büchergilde illustriert und ist damit bis heute unser meistpubli-zierter Illustrator, er hat für den Verlag Beltz und Gelberg dessen unver-wechselbares Buchge-sicht in Orange entwickelt, er hat vor allem aber absolute Pionierarbeit geleistet für die Nutzung der in den 1960er-Jahren neuen Technik des Offsetdrucks für die künstlerische Druckgrafik!

1927 in Hamburg geboren, studierte Stiller an der Landeskunstschule Hamburg. 1951 siedelte er nach Wiesbaden um, wo er für den Verlag Schwabe / Bayer tätig war. Ab 1954 arbeitete er freischaffend, gab die Flugblatt-Zeitschrift „Die Kralle“ heraus, hatte erste Kontakte zur Büchergilde Gutenberg und experimentierte intensiv mit Schriftsatz und Drucktechniken.

1957 erschien seine erste Büchergilde-Illustration, Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“. Er illustrierte später u.a. Tucholsky, Rimbaud, Brecht, Baudelaire und Grass, gern auch Erotisches, Schwänke und Schurkenstücke, nicht nur für die Büchergilde. Schon 1960 und 1962 wurden seine ersten Bücher von der Stiftung Buchkunst im Wettbewerb „Schönste deutsche Bücher“ ausgezeichnet. (Abb. aus "Katzengeschrei")
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EINBLATTDRUCKE, TEILS MEHRBLÄTTRIG

Der Begriff bezieht sich nicht darauf, dass es sich nur um ein einzelnes Blatt handelt, auf dem Text und Grafik untergebracht sind, obwohl das häufig genau so ist – der Begriff stammt aus der Hochzeit des Einblattdrucks, dem 16. Jahrhundert, wo dieser fast ausschließlich im Holzschnitt entstanden, der mit einer Reiberpresse auf das Bütten abgerieben wurde und durch den Druck die Rückseite des Papiers leicht reliefartig erhöhte, weswegen eben nur eine Seite des Blattes bedruckt wurde.

Heute sind Einblattdrucke meist in Bleisatz auf handgeschöpftes Papier gedruckte kleine Leseproben aus der Weltliteratur, illustriert mit einer oder mehreren Originalgrafiken. Diese wird nicht direkt signiert, sondern das rückseitig befindliche Impressum. In einen farbigen leichten Karton eingebunden kann so auch eine sehr kurze literarische Form durch Kunst und Druck geadelt werden.

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DER GRAFIK-KALENDER TABOR PRESSE BERLIN/ BÜCHERGILDE ARTCLUB 2019

Philipp Hennevogl, Katrin Stangl, Bodo Rott, Laura Bruce, Michael Wutz, Franziska Klotz, Katharina Albers, Jan Muche, Markus Vater, Damien Deroubaix, Gosia Machon und Marlon Wobst.

Der Kalender versammelt einmal mehr druckgrafische Schwergewichte wie Philip Hennevogl oder den Horst-Janssen-Preisträger Michael Wutz und geniale Bild-Erfinder/innen wie die gerade von der Stiftung Buchkunst aus-gezeichnete Katrin Stangl. Er spiegelt die vitale zeitgenössische deutsche Druckgrafikszene, die internationale Künstler/innen wie die in New Jersey geborene und jetzt in Berlin lebende Laura Bruce anzieht. Eine Grafik des in Paris arbeitenden Damien Deroubaix ermöglicht den Blick über den nationalen Tellerrand. Wer den Grafikkalender über die Jahre mitsammelt, verfügt über eine nachgerade museale private Sammlung der ersten Garnitur zeitgenössischer Kunst.

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DIE EXTRA-GRAFIK ZUM VORZUGSPREIS FÜR TREUE KALENDER-KÄUFER/INNEN

SVEN DRÜHLS KÜHLER BERG

Es gibt wieder für alle Kalenderkäufer, die auch den Tabor Kalender 2018 bei uns erworben haben oder zwei Exemplare des diesjährigen Kalenders kaufen, die Möglichkeit eines „Bonuskaufes“: Eine Orig.-Farblithografie von Sven Drühl. Der 1968 in Nassau/Lahn geborene Künstler war Stipendiat sowohl der Volkswagen-Stiftung als auch der New Yorker Pollock-Krasner-Foundation, gewann den Falkenrot-Preis für Malerei, Berlin, und lehrte an den Kunsthochschulen Dresden, Leipzig (HGB) und Hangzhou, China. Drühl arbeitet im Bereich konzeptueller Malerei, er remixt und transformiert Gemälde der Kunstgeschichte und der zeitgenössischen Kunst. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

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ROTRAUT SUSANNE BERNER

Die große junge Dame der deutschen Buch-illustration feiert am 26. August ihren 70. Geburtstag. Ach, wie gerne hätte ich schon seit Jahren mal eine Ausstellung ihrer Arbeiten hier gezeigt. Aber sie ist permanent bis zur Halskrause ausgebucht, und zugegeben, das Wilhelm-Busch-Museum Hannover, das vom 18. August bis 18. November 2018 die Ausstellung „Rotraut Susanne Berner – Sammel & Surium“ zeigt, ist die bessere Adresse…
1948 in Stuttgart geboren, studierte Berner von 1968 bis 1971 Zeitungswissenschaften und Theatergeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und anschließend bis 1975 Grafik-Design an der Fachhochschule München. Seit 1977 arbeitet sie als freie Illustratorin, Buchgestalterin und Autorin. Sie ist, weit über den deutschen Sprachraum hinaus, eine der bekanntesten zeitgenössischen Illustratorinnen und Buchgestalterinnen.

Aus ihren zahlreichen Auszeichnungen sticht der Hans-Christian-Andersen-Preis heraus, der ihr 2016 verliehen wurde...

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DAS 23 LYRIKHEFT

AUS DER SONNENBERG PRESSE CHEMNITZ / KEMBERG

Dieses Mal sind alle drei Künstlerinnen der Presse an der Produktion eines Heftes beteiligt: Birgit Reichert schrieb die Gedichte, Andrea Lange setzte und druckte die Texte und steuerte Holzschnitte bei, an denen Bettina Haller dann mit den Mitteln des Acrystichs weiterarbeitete. Wie alles aus dem Hause Sonnenberg ein Genuss zum kleinen Preis

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NEUE DERRIèRE-LE-MIROIR-HEFTE

Derrière le Miroir war ein (meist) originalgrafisches Periodikum, das von 1946 bis 1982 von dem französischen Verlegerpaar Marguerite und Aimé Maeght in Paris herausgegeben wurde. Bestandteil der meisten Hefte war Originalgrafik, die überwiegend vom wohl berühmtesten aller Lithografie-Drucker, Fernand Mourlot, gedruckt wurde.
Die nicht signierten Hefte (38 x 28 cm), denen die Originalgrafiken in losen Bögen beiliegen, sind eine wunderbare Möglichkeit, an eigentlich unbezahlbare Originale der genannten Künstler zu kommen, ohne Sorge vor Fälschun-gen haben zu müssen – in der Preisregion lohnt das nicht wirklich.

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