BERNHARD JÄGER/MANFRED SCHULZ/KERSTIN HENSEL – BLEISPIELE

Achtzehnter Druck

Pressendruck 32 x 32 cm, 62 Seiten mit 28 Orig.-Typografiken, von Hand gebunden, mit einem von Jäger signierten Klischeedruck, Auflage 55 arabisch nummerierte Exemplare, im Impressum von Bernhard Jäger und Kerstin Hensel signiert
EUR 260.- (Nichtmitglieder EUR 290.-)
NR 05255X

Preis: EUR 260.00

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Gutenberg Pressendrucke

Endlich ein neuer Band in der Pressendruck-Reihe der Büchergilde, die den Namen ihres Patrons trägt – warum erscheinen die dann eigentlich so selten? Weil ich als auch deren Verleger leider chronisch überlastet bin und das Zusammenführen von Künstler, Typografen, Papier-lieferant, Drucker und Buchbinder für ein beseeltes Gesamtkunstwerk sehr aufwändig ist. Da will gut Ding viel, viel Weile haben. Dafür sind aber dann die Drucke, die in dieser Presse erscheinen, auch (meistens jedenfalls) absolut außergewöhnlich (siehe auch Nachruf auf Volker Melchior unten).

So auch der neueste Druck, mit dessen Produktion Bernhard Jäger, der 1935 geborene frühere documenta-Teilnehmer, im Jahr 2005 (!) begonnen hat: In Zusammenarbeit mit dem engagierten Schriftsetzer Manfred Schulz konzipierte Jäger ein Buch, das die Verherrlichung des Anachronismus Bleisatz zum Ziel hat: Jäger, selbst gewiefter Typograf, zeichnete Figurationen, die Schulz ausschließlich aus Bestandteilen des Bleisatzes, Linien, Stegen, Lettern, Ziffern und Satzzeichen, für den Druck nachgebaut hat. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Bleisatzschiffchen (der Rahmen für eine in Bleisatz zu druckende Buchseite) für normale, parallel laufende Schriftzeilen gedacht ist, kann man sich den erfinderischen Aufwand vorstellen, der nötig ist, um schräge oder gar kurvige Bildelemente durch Einsatz einer Fülle kleinster Bleisatzteile so zu justieren, dass diese Schräge oder Kurvigkeit für alle 60 Drucke stabil bleibt.

Ich erspare Ihnen hier die Schilderung der widrigen Um-stände, die sich aus streitigen Besitzverhältnissen der fertigen Drucke ergeben haben, und über die der geniale Schriftsetzer Manfred Schulz gestorben ist, bevor er das fertige Meisterwerk seiner schwarzen Kunst in die Hand nehmen konnte. Die Büchergilde löste, auch ihm zu Ehren, den gordischen Knoten, Kerstin Hensel beschrieb die gedruckten Figuren – das umgekehrte Verfahren der Illustration, nicht so selten, wie man vielleicht denkt – und nun liegt ein Pressendruck vor, wie es ihn vermutlich nie mehr geben wird!

Man muss es klar sagen: Die von Menschen mühselig erworbene und dem Nachwuchs weiter vermittelte Meisterschaft im Umgang mit Bleilettern, Grundlage aller Aufklärung seit der Reformation, verliert sich, so wie man davon ausgeht, dass im alten Ägypten die Priesterschaft über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügte, die mit dem Untergang von deren Kultur der Menschheit verloren gingen. Heute leben in Deutschland vielleicht höchstens noch 5 bis 10 meist hochbetagte Schriftsetzer, die das könnten, was Manfred Schulz konnte. Aber es wird auch niemand mehr diese Fähigkeiten abfragen, denn: Am Computer ließe sich das Ganze im Nu nachbilden. Warum dann…? „Zu wissen, es ist Platin!“ Hier ist alles materiell echt.

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