Artur Dieckhoff

13. Mai 1948 – 21. November 2020

Im aktuellen Büchergilde artclub ist das neueste Buch von Artur Dieckhoff erschienen, ein echter Dieckhoff, schon vom Titel: „Her-zeigen, Herz-eigen“. Er hat noch das fertig gebundene Buch mit erhobenem Daumen für gut befinden können, signieren konnte er es schon nicht mehr. Es ist furchtbar. In Nachrufen kommt der Begriff „unersetzlicher Verlust“ oft als Plattitüde daher, auf kaum jemandes Tod trifft das aber so sehr zu wie auf den von Artur Dieckhoff. Mit nur 72 Jahren. Scheiß-Krebs. Ohne Verlaub...

Typen wie ihn wird es nicht mehr geben, weil es diese Nachkriegszeit (Gott sei Dank) nicht mehr gibt, in der der Junge aus Schalke, Messdiener und Chorsänger, den Beruf des Schriftsetzers lernte. Und Zehnkämpfer war. Seinen „Meister machte“.

Dann Kunststudium an den Hochschulen in Wuppertal und Hamburg. Wo er 1984 mit Klaus Raasch die Druckwerkstatt „Schwarze Kunst“ gründete und anonyme Plakate druckte, um sie an Häuserwände zu kleben: „Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Artur“. Ein Berliner Postkartenverleger übernahm den Spruch, kombinierte ihn mit dem Foto eines illustren Jungen und beförderte Arturs Lebensmaxime zehntausendfach ins Land.

Artur verlegte ein Buch mit Joseph Beuys, arbeitete mit Candia Höfer und Sarah Wiener, gewann jedes Herz, schuf den ersten Holzschnitt-Trickfilm der Welt. Liebte die Erotik und den Farbholzschnitt, am besten beides kombiniert. Und hatte immer, immer, immer ein neues Buchprojekt im Köcher. Dass er fehlt – das ist ein viel zu schwacher Ausdruck für den Krater, den sein Weggang reißt.

Wolfgang Grätz