MARGIT GRÜGER

Margit Grüger – Das Undine-Projekt. Farbholzschnitte.

Undine ist der Sage nach ein weiblicher Wassergeist, eine Nymphe, die erst dann eine Seele bekommt, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Einem untreuen Gatten bringt die Undine jedoch den Tod. Die Figur der Undine stammt aus der Stauffenberger-Sage, der Stoff ist wohl um das Jahr 1320 entstanden.

Margit Grüger, deren Undinen-Zyklus unsere Ausstellung zeigt, wurde zur Auseinandersetzung mit dem Thema durch Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ aus dem Jahr 1961 angeregt. Die Wasserfrau Undine ist bei Ingeborg Bachmann eine geistig unabhängige, selbständige Muse, die die Männer versteht, und zu der diese sich hingezogen fühlen.

Bachmann verleiht Undine allerdings nicht nur die Stärke und die Selbständigkeit, die sonst nur Männern zugesprochen werden, sondern unterwirft sie auch dem Zwang, die Männer zu lieben. Sie muss aus dem Meer auftauchen, „Hans“ (ihr Synonym für den Mann schlechthin) rufen, die Männer locken und besitzen. Bachmann nutzte den Undine-Mythos, um ein damals neues Bild von der Beziehung zwischen Mann und Frau zu beschreiben, das von gegenseitiger Anziehung, aber auch vom Kampf bis aufs Messer berichtet.

Margit Grüger setzt die Akzente anders: Sie besetzt die Männerrolle mit einem Seehund, also einem Wesen, das mit der Nymphe in deren Element leben kann und sich durch Neugierde und die Lust am Spielen auszeichnet. Nixe und Tier gehen mit unverhohlener Sympathie miteinander um. Man könnte (hier schreibt ein Hans!) die Bilder lesen als Reverenz an den modernen Mann, der gelernt hat, in ebenbürtiger Partnerschaft zu leben, die Daseinsbedingungen seiner Partnerin zu teilen, der neugierig, offen und beweglich ist.

Gleichzeitig besetzt die Künstlerin mit dieser Figuration noch ein weiteres Thema: die Beziehung des modernen Menschen zum Tier. Die hat sich in den letzten Jahren mächtig gewandelt, von der Betrachtung als Nahrungsquelle (vom Haustier mal abgesehen) zum Respekt vor der fühlenden Kreatur, für deren Lebensbedingungen z.B. in Ställen und Legebatterien wir Verantwortung übernehmen müssen. Man mag Veganer belächeln, für deren Schuhe Lederersatzstoffe kreiert werden, aber der Gedanke, nicht die Haut anderer Lebewesen zu nutzen, steht jedenfalls exemplarisch für ein völlig neues Denken.

Dieses Thematisieren des Verhältnisses von Mensch und Tier findet sich in der Arbeit zahlreicher zeitgenössischer Künstler/innen, und wir haben in der Ausstellung Margit Grügers Undinen einige Bespiele von Angela Hampel bis Nadine Respondek zur Seite gestellt.

Margit Grüger experimentiert im Undinen-Zyklus viel mit der Farbe, sie druckt die gleichen Motive, oft als Unikate, in ganz unterschiedlichen Farbvarianten, und es ist verblüffend zu sehen, wie sich ein Motiv mit der Farbigkeit verändert, wie es an Tiefe gewinnt oder eine völlig andere Stimmung erzeugt. Die Künstlerin selbst schreibt dazu: „Das Thema – Undinen – verlangt geradezu unterschiedliche Phasen des nicht fassbaren und nicht eineindeutig farblich bestimmbaren Elements Wasser. Die Motive und Kompositionen verflechten sich, wobei das Material Holz eine eigene, andersartige Ausdrucksweise hat. Der Widerstand des Materials zwingt zur Konzentration auf das Wesentliche, die Reduzierung auf das Symbolhafte. Diese, den eigenen Gesetzen unterworfene Sprache, ist für mich das Interessante am Holzschnitt.“

1946 in Cainsdorf geboren, studierte Grüger 1976 bis 1981 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, u.a. bei Werner Klemke. Seit 1981 ist sie als freischaffende Künstlerin in Berlin tätig. Von 1983 bis 1986 ist sie Meisterschülerin an der Berliner Akademie der Künste bei Werner Stötzer. Es entstehen Akt- und Porträtzeichnungen, in persönlichen Begegnungen schafft sie Porträts von Kurt Masur, Christa Wolf und Wieland Herzfelde u.a. In dieser Meisterschülerzeit beginnt Grüger auch mit der plastischen Arbeit, sie ist Malerin, Bildhauerin, aber einen Schwerpunkt ihres Œuvres stellt das druckgrafische Werk dar. Druckgrafiken befinden sich u. a. in der Kunstsammlung der Berliner Akademie der Künste, weitere Arbeiten in der Kunstsammlung MAXHÜTTE und der Stiftung Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Wolfgang Grätz

detail detail detail detail detail

Auf Seerosen

Orig.-Farbholzschnitt, Unikat

Margit Grüger – Graphik und Skulpturen

Katalog Vorzugsausgabe

Undine 9

Probedruck, Unikat

Undine 8

Probedruck, Unikat

Undine 7

Probedruck, Unikat

detail detail detail detail detail

Undine 6

Probedruck, Unikat

Undine 5

Probedruck, Unikat

Undine 4 grün

Probedruck, Unikat

Undine 4 blau

Probedruck, Unikat

Undine 3 schwarz

Orig.-Holzschnitt

detail detail detail detail detail

Undine 3 grün

Probedruck, Unikat

Undine 3 auf Braun

Probedruck, Unikat

Undine 2

Orig.-Holzschnitt

Undine 1 rot

Probedruck, Unikat

Undine 1 blau-schwarz

Probedruck, Unikat

detail detail detail detail detail

Undine 1 blau-grün

Undine 1 blau-gelb

Probedruck, Unikat

Scham

Orig.-Holzschnitt

Liegende

Orig.-Serigrafie

Margit Grüger - Sitzende

Orig.-Farbholzschnitt

detail detail detail detail detail

Kniende

Orig.-Farbholzschnitt, Unikat

Zwei Kniende

Orig.-Farbholzschnitt

Der Moment

Orig.-Farbholzschnitt, Unikat

Abendsonne

Orig.-Farbholzschnitt

Aneinandergerückt

Orig.-Farbholzschnitt

detail detail

Undine 1 blau

Orig.-Farbholzschnitt

Undine 1 schwarz

Orig.-Farbholzschnitt