DETLEF KARSTEN

Das ist eine furchtbar traurige Nachricht: Am 17. Januar 2017 ist der Künstler Detlef Karsten nach schwerer Krankheit in Verl/Ostwestfalen gestorben. Meine eigene Tätigkeit als Kunstvermittler ist eng mit dem künstlerischen Lebenslauf Karstens verbunden: Ich habe 1987 die erste Einzelausstellung des Künstlers, damals noch in der Kellergalerie der Büchergilde in Wiesbaden, ausgerichtet, ihn als Vorsitzender des dortigen Kunstvereins gefördert, seine Arbeiten im Büchergilde artclub vorgestellt, auch im Tabor Kalender war er mehrfach mit Original-Lithografien vertreten.

Detlef Karsten entsprach auf fast tragische Weise dem Bild des genialen, jedoch wenig alltagstauglichen Künstlers. Aus einem Stück Draht konnte er im Handumdrehen ein verblüffend realistisches Selbstportrait formen, mit der Kettensäge filigrane Skulpturen aus einem Baumstamm schälen, von seinem frechen zeichnerischen Talent ganz zu schweigen. Aber wenn die Miete fällig war, musste er manchmal schnell ein paar Zeichnungen weit unter Wert an den nächsten Nachbarn verkaufen.

Als ich ihm, da war er Ende 30, riet, einmal eine größere Anzahl gelungener Arbeiten zurückzuhalten, um einen Katalog zu produzieren, damit er auf die Landkarte der Kunstgeschichte käme und weil ich ihn nicht mehr länger als „Jungen Künstler“ apostrophieren könne, rief er wie aus der Pistole geschossen: „Junger Künstler geht bis 50!“ Und meinte das sehr ernst.

Zu einem Katalog ist es nie gekommen, er blieb ein junger Künstler. Nun ist er einen Tag vor seinem 59. Geburtstag gestorben, nachdem er schon ein Jahr schwerstgelähmt war. Wolfgang Grätz