burgart-presse

Kabinett-Ausstellung: Die burgart presse Rudolstadt
6.4. - 16.5.2021 in der Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt am Main

Man schaut auf die perfekten Künstlerbücher der burgart presse und nimmt sie wie selbstverständlich, aber wie kam es denn dazu, dass ein gewisser Jens Henkel in der thüringischen – pardon – Kleinstadt Rudolstadt (25.000 Einwohner) 1990 einen der bedeutendsten Pressendruck-Verlage des jungen Gesamtdeutschland gründetn und 30 Jahre lang eine bibliophilen Kostbarkeit nach der anderen vorlegte, daneben Werkverzeichnisse und Monografien? Dem es zudem gelingen konnte, Autor/inn/en wie Walter Jens und Christa Wolf, Friederike Mayröcker und Adolf Endler für Klein(auflagen)-Editionen mit überschaubarem Honorar-Ertrag zu gewinnen.

Henkel, Jahrgang 1953, ist von Haus aus akademisch ausgebildeter Museologe – ein Studiengang, den es nur in der DDR gab, und man muss kein Prinz sein, um zu konstatieren: Es war nicht alles schlecht –, und Historiker, und arbeitete als solcher neben seiner Verlegertätigkeit immer auch im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg in Rudolstadt.

Er war in der DDR ein interessierter Sammler von Drucken der alternativen Kunst- und Literaturszene, die zwar von der Stasi akribisch überwacht wurde, aber ihre oft original-grafischen Hefte und Bücher bei Auflagen unter 100 Exemplaren ohne Druckgenehmigung produzieren durfte. Bald entstand in Henkel der Wunsch, auch selbst wider den Stachel zu löcken und Widerständiges als Ausdruck des eigenen Lebensgefühls zu publizieren.

Da er die eigenen bildnerischen wie poetischen Fähigkeiten als nicht genügend einschätzte, wurde er zum Ideenproduzent, Anreger und Organisator. Bücher wie „Türen“ von Jörg Kowalski mit Grafiken von Steffen Volmer, dessen Türen keine Klinken aufwiesen, erschienen unter dem Dach der Bibliophilen-Vereinigung Pirckheimer-Gesellschaft oder der Karl-Marx-Städter Galerie Oben, die erfolgreich Abstand zu staatlichen Institutionen hielt und in der auch Klaus Süß groß wurde, von dem später sechs Pressendrucke in der burgart presse erscheinen sollten.

Nach der offiziellen Verlagsgründung 1990 fiel die Motivation „Widerständigkeit“ weg, und es begann die Herausforderung „Markt“. Was einen Verleger neben den oben schon genannten Fähigkeiten auszeichnen sollte, ist: der Besitz von Kapital. Denn es erleichtert das Verlegerleben erheblich, wenn zumindest einer der Arbeitsgänge der Pressendruck-Herstellung – Druck, Buchbindung usw. – in Selbstausbeutung erfolgen kann. Jens Henkel musste alles, inklusive der Autoren- und Künstlerhonorare, vorfinanzieren. Als 37-jähriger Verlagsgründer mit DDR-Hintergrund hatte er keine prallen Geldsäcke im Keller, aber eine mit Umsicht, Sachverstand und Leidenschaft zusammengetragene einzigartige Sammlung von DDR-Samisdat-Schriften. Die riss er sich vom Herzen, um sich den anderen Herzenswunsch – die Produktion von Buchkostbarkeiten – zu erfüllen. Der Rest ist Buchkunstgeschichte, und leider sehe ich weit und breit noch niemanden, der Jens Henkels Fackel weiterträgt.

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Moritz Götze - Gulliver

Orig.-serigrafischer Pressendruck

Harald Gerlach/Alfred Traugott Mörstedt – Einschlüsse Aufbrüche

Vorzugsausgabe

ALLES FÜR DIE KATZ. Dreißig Jahre burgart

Vorzugsausgabe

ZWANZIG JAHRE BURGART Ein Almanach

Vorzugsausgabe

Friederike Mayröcker/Olaf Nicolai – Nimbus der Kappe

Matthias Biskupek/Kay Voigtmann – Farbenblond

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Matthias Biskupek/Karl-Georg Hirsch – Goldener Schnitt und andere ästhetische Katastrofen

Vorzugsausgabe

Matthias Biskupek/Karl-Georg Hirsch – Schwarz angesagt und andere bestechende Gefühle

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Adolf Endler/Wolfgang Henne – TROTZES HALBER

Vorzugausgabe

Franzobel/Kay Voigtmann – Die Trinkersonne

Vorzugsausgabe

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DIE SIEBEN TODSÜNDEN

Sieben Pop-up-Bücher

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Holger Benkel/Frank Eißner – ERDE UND FEUER

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Heinz Czechowski/Claus Weidensdorfer – Unstrutwärts

Vorzugsausgabe

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Wulf Kirsten/Ullrich Panndorf – Felsenfest

Vorzugsausgabe

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Annerose Kirchner/Werner Wittig – Zwischen den Ufern

Heinz Czechowski/ Claus Weidensdorfer – Unstrutwärts

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Rotkäppchen – durch den Wolf gedreht von Ann Mousy bis Ottfried Zielke

Tanaquil und Hans Magnus Enzensberger/ Steffen Volmer – Eine Geschichte von Riesen und Göttern

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Walter Jens/Karl-Georg Hirsch – Ich, ein Jud. Verteidigungsrede des Judas Ischarioth

Mit 5 Orig.-Holzstichen von Karl-Georg Hirsch

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Klaus Süß - Du sollst nicht begehren…

Orig.-Farbholzschnitt/ Leporello 2009

Klaus Süß - Du sollst nicht begehren

Aquarell/Entwurf

Klaus Süß - Die sieben Todsünden - Wollust

Orig.-Farbholzschnitt Pop-up

Klaus Süß/Onna Shimegawa Kaeshi Bumi – UKIYO-E

Pressendruck

Klaus Süß - Kholomodumo

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Für fünf Pfennige eine Botschaft. Originalgraphische Neujahrskarten 1981 bis 2000

Vorzugsausgabe

Klaus Süß - Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Pressendruck

Rolf Münzner -Narrenkarussell – Ein grafischer Zyklus

Mit 5 Orig.-Schablithografien